26. Tag: Freitag, der 24. August 2012

Mittwoch, den 29. August 2012

Ein bisschen Zivilisation

87 Kilometer durch die Wüste, wieder 40 km Asphalt, 175 hm bei sonnigen 28 Grad vom Zeltlager nach Sainjand

Nun haben wir drei Nächte in der Wüste und Halbwüste verbracht und noch nicht einmal die Hälfte geschafft und es macht sich langsam der verwöhnte Europäer bemerkbar, zumindest bei mir, ich brauche wieder einmal eine Dusche und eine Haarwäsche, mit der neuen „Langhaarfrisur“ reicht ausklopfen nicht mehr. Doch es ist Land in Sicht, einen Tagesritt am Horizont liegt die kleine Stadt Sainjand und dort haben wir eine Hotelübernachtung mit Dusche, ob warm oder kalt, das ist bei den Temperaturen recht egal.

Auf der Piste stauben uns die LKW heute ordentlich ein und es wird langsam immer wärmer, wenn die Sonne nach oben gestiegen ist. Auch sind wir nun richtig in der Wüste, links und rechts der Piste nur noch stacheliges Kraut, das wir wegen der Durchstiche im Mantel fürchten. heute morgen haben wir nach Rückkehr auf die Piste noch einmal ordentlich geprüft und wieder ein gutes Dutzend Dornen entfernt, bevor sie sich durch den Mantel zum Schlauch durcharbeiten können.

Nach 45 Kilometern dann die Erlösung: Hier fängt der Asphalt wieder an, an der gleichen Stelle wie im letzten Jahr, dabei war ich damals so optimistisch, dass der Straßenbau noch ein gutes Stück vorankommen könnte. Nun macht auch die Wüste wieder Spaß, wenn der schwarze Asphalt unter dem Rad dahinfliegt und man keine Angst vor Dornen haben braucht.

Am Nachmittag erscheinen dann die ersten Häuser der kleinen Stadt. Etwas besonderes gibt es nicht zu sehen, aber es gibt eben ein mäßiges Hotel mit Dusche. In Haaren und Kleidung steckt die halbe Wüste, ein wunder, dass sich dort überhaupt noch Sand und Staub befinden. Eine Internetverbindung gibt es nicht, aber ich kann wenigstens ein wenig schreiben und meine Bilder sortieren. Dann geht es ab in ein schönes Restaurant mit einem ausführlichen Abendessen und eiskaltem Bier, auch ein tolle Errungenschaft der modernen Welt, die man erst in der Wüste richtig schätzen lernen kann.

 

25. Tag: Donnerstag, der 23. August 2012

Mittwoch, den 29. August 2012

Bis zum Anschlag

95 Kilometer durch Wüste und Staub, natürlich alles Piste, von Camp zu Camp, lasche 249 Höhenmeter, dafür Gegenwind bei 28 Grad

Am Ende kommen wir heute gerade einmal auf einen Schnitt von 14 km/h, doch wir sind gut gerädert. Dabei war es mit 28 Grad nicht einmal richtig heiß, aber 28 Grad im Schatten sind etwas anderes, wenn sich in der näheren Umgebung von 300 Kilometern kein einziger Baum uns Strauch befindet. Schon vom Morgen an hatten wir einen mittleren Gegenwind und die Piste ist ab und zu recht sandig. Zwar wird mit ziemlichem Aufwand an der neuen Straße gearbeitet, aber eine Fertigstellung ist in diesem und im nächsten Jahr nicht in Sicht. Immer mal wieder kann man oben auf der neuen schon verfestigten Straßengrundierung fahren, aber aller 800 Meter muss man dann wieder runter von der Straße in den Sand und das ist mehr als nervig. Auch werden wir gut eingestaubt von den LKW, die natürlich mindestens zu 50% auf der falschen Seite vorbeirauschen und eine dicke Staubfahne hinter sich herziehen.

Und heute Morgen hatten wir gleich zum Auftakt unseren ersten Plattfuß, die Ursache war allerdings nicht das Dornengestrüpp, dass sich hier als fast einzige Vegetation noch hält, sondern ein dünner Stahldraht von einem der zerfledderten Autoreifen, die überall am Pistenrand herumliegen. Der Plattfuß vom Dornenzeugs, auf Mongolisch „Uhfs“ genannt und unseren Radlern vom letzten Jahr noch grauenvoll in den Ohren, dieser Plattfuß folgt erst am späten Nachmittag bei mir. Glücklicherweise prüfen wir alle Räder und Mäntel schnell nach weiteren Dornen, keine vergebliche Mühe, denn bei unseren kurzen Abstecher zur Mittagspause auf einen kleinen Hügel hat jeder von uns Unmengen aufgesammelt, die wir nun mit Mühe wieder herauspulen, bevor sie sich in den nächsten Stunden und Tagen durchs „unplattbare“ Keflar schieben.

Was gibt’s heute außer Staub und Dreck noch zu berichten, Mugi hat mittags wieder einen tollen Salat gezaubert und abends einen leckeren Reis mit Gemüse und Tofu. Vom Wodka brauchen wir nur einen winzigen Schluck, da es an Bettschwere nicht mangelt.

24. Tag: Mittwoch, der 22. August 2012

Mittwoch, den 29. August 2012

In der Wüste

126 Kilometer von einem Camp zum anderen, von der Trockensteppe in die Wüste, die Hälfte davon auf staubiger Piste, drehende Winde bei 26 Grad, 575 Höhenmeter

Richtig ruhig ist es nie in der Wüste, denn selbst wenn man drei Kilometer von der Piste oder von der Eisenbahn weg ist, hört man doch in der weiten Ebene die Geräusche immer noch fast ungedämmt. Die Nacht war ziemlich kalt, es hatte vielleicht fünf oder sechs Grad und so sitzen wir recht gut eingemummelt beim Frühstück und freuen uns über die ersten Sonnenstrahlen und wir sind guter Hoffnung unseren Kältepol überwunden zu haben. Gegen 10 Uhr ist es dann auch schon so, wie man es von einer Wüste erwartet und wir sind nach einer guten Woche dann wieder einmal im T-Shirt unterwegs. Der Rückenwind ist leider weg es weht straff von der rechten Seite ein bisschen von vorn und macht uns leicht zu schaffen.

Langsam wir die Landschaft auch trockener, die Vegetation wird immer krautiger und es gibt immer weniger Kühe und Pferde, dafür tauchen erstmalig auch Kamele auf. Hinter Choir sind wir dann endgültig in der Wüste, denn 5 Kilometer hinter dem mickrigen und staubigen Städtchen hört der Asphalt auf und die Straße spaltet sich in mehrere mehr oder weniger laufende Pisten auf.

Mit der Straße nach China sind die Bauarbeiten noch nicht weit vorangekommen, zwar wird an der Piste gearbeitet und das bett für die Straße verfestigt, aber im letzten Jahr sah es hier nicht viel anders aus.

In meinem Schalthebel macht es plötzlich laut „Ratsch“ und der Zug ist durch, aber nicht nur dass, der Hebel verweigert auch die Arbeit mit einem neuen Schaltzug. Wie vor drei Monaten bei meinem Berliner Fahrrad. Nur dass der nächste Fahrradladen 800 Kilometer von uns entfernt in Datong liegt. Ich stelle die Schaltung also in einem mittleren Gang fest und habe damit nur noch einen Gang zum fahren, für Berge und wilde Abfahrten kann ich dann noch das Blatt wechseln, aber mehr Variationen gibt es nicht.

Der Kantenwind hat aber glücklicherweise nach hinten gedreht und so kommen wir auch auf der Piste sehr gut voran und am Abend stehen wieder 126 Kilometer auf dem Display.

Bei dem scharfen Wind ist es nicht ganz einfach die Zelte aufzustellen, zumal der Untergrund ziemlich steinig ist, aber wir helfen uns alle miteinander und nach einer halben Stunde sitzen wir beim Abendessen und genießen den Sonnenuntergang.

23. Tag: Dienstag, der 21. August 2012

Mittwoch, den 29. August 2012

In die Steppe

145 Kilometer von Ulaan Baatar in die Steppe, 789 Höhenmeter bei kräftigen Rückenwind, anfangs kühl, dann angenehm bei 21 Grad

In der letzten Nacht hatte es Temperaturen knapp um die Null Grad. Als ich am Morgen noch Michael und Doro um kurz vor 5 morgens in den Bus zum Flughafen verabschiede ist es mehr als unangenehm kalt. Drei Stunden später arbeitet sich glücklicherweise die Sonne nach oben und es weht ein frisches Lüftchen, glücklicherweise aus der richtigen Richtung und so trägt es uns locker und leicht aus der Stadt heraus.

Die Ausfallstraße aus der Stadt ist wieder eine löcherige Katastrophe, wer die 15 Kilometer um die Löcher herum aus der Stadt heraus geschafft hat, der kommt auch über die Piste bis nach China. Am Ortsausgang „tanken“ wir noch große Mengen an Trinkwasser und ein paar Vorräte an Bord uns stürzen uns dann in den nächsten Teil unseres Abenteuers.

Wenn man die Vorstädte hinter sich gebracht hat, wird es wesentlich einsamer als im nördlichen Teil der Mongolei. Manchmal ist die Eisenbahnlinie auf der rechten Seite unser einziger Begleiter.

Mittags verkrümeln wir uns zur Pause in den Bus. Mugis Vater hat für uns gestern Abend noch gekocht und Kartoffelsalat und Buuz, die mongolischen mit Lammfleisch gefüllten Fleischtaschen vorbereitet, dann spann wir mit frischen Kräften die Segel in den Wind und blasen weiter. Am Abend erreichen wir 146 Kilometer und haben einen Schnitt von 24 km/h gefahren und sind damit ein gutes Stück nach Süden vorgedrungen. Als wir die Zelte aufbauen ist es wieder sehr frisch und wir haben gar keine Lust noch viel länger draußen zu sitzen. Ich genieße noch ein paar Minuten den klaren Sternenhimmel und verkrieche mich dann in meinen Schlafsack.

 

22. Tag: Montag, der 20. August 2012

Mittwoch, den 29. August 2012

Ein Tag zum Heiraten

18 km mit den Rädern durch die Stadt, Bummeln und Entspannen, abends Abschied von zwei unserer Reisenden bei Wolken und Sonne um die 17 Grad

Kalt ist es draußen immer noch, aber wenigstens hat es in der Nacht nicht noch einmal geregnet. Nach dem Frühstück bringen wir Carolas Fahrrad auf Vordermann und drehen dann eine kleine Proberunde durch die Stadt.

Heute haben wir uns dann den Aussichtspunkt am sowjetisch-mongolischen Ehrenhain als erstes vorgenommen. Von oben hat man wirklich einen wundervollen Panoramablick über die Stadt. Im Süden wird gebaut wie der Teufels es entstehen überall Apartmenthäuser für die sich entwickelnde Mittelschicht. Die Häuser sehen recht schick aus, die Logistik lässt zu wünschen übrig, die Straßen sind holprig und löcherig wie überall in der Stadt. Im Zentrum entsteht etwas, was man im Ansatz eine kleine Skyline bezeichnen könnte, die sich rund um den Suchbaatar Platz befindet, im Westen blasen zwei Heizkraftwerke dunkle Wolken in den Himmel, die sich gerade bei dieser Wetterlage über die gesamte Stadt verteilen.

Rund um die Stadt verteilt sind die Jurtenviertel, hier gibt es viele Holzhütten, aber in den kleinen umzäunten Grundstücken steht zumeist noch eine Jurte. Strom hat man in diesen Vierteln, aber es mangelt an einer Wasserversorgung und Abwasser. Das Trinkwasser wird daher von den Leuten in 20 Liter Kanistern auf dem Moped herangefahren oder die Kids ziehen und schieben einen Handwagen mit schwerem Kübel vor sich hin. In der ganzen Stadt findet man kaum ein gemütliches und grünes Fleckchen und ich frage mich, wie es die Menschen, die aus den unendlichen wundervoll satt grünen Steppen hierher drängen aushalten im grauen Staub der trockenen Tage und im schlammigen Matsch der feuchten Tage.

Glück haben wir auf unserem Weg in die Stadt zurück, denn auf einem Sportplatz findet gerade die mongolische Meisterschaft im Bogenschießen statt. Geschossen wird nicht wie in Europa auf Zielscheiben, sondern auf eine Art Pyramide aus Strohballen. Auch vertrauen die Schiedsrichter unbegrenzt den Künsten der Schützen, denn meist stehen ein Dutzend Leute direkt im Zielbereich nur einen oder zwei Meter von den Zielpyramiden entfernt. Bei den älteren Männern ertönt dann immer noch ein Gesang aus dem Zielbereich, der je nach der Treffgenauigkeit des Schützen, dann auch mal in Jubel ausartet. Wunderschön ist, dass alle Schützen in traditionellen Kostümen antreten, Männer wie Frauen. Wie ich das einschätze liegt die Zielentfernung bei den Männern um die hundert Meter, bei den Frauen sind es 85 oder 90 Meter. Auch einig junge Männer und Frauen sind dem Nationalsport treu geblieben, dafür mangelt es an Zuschauern, wir drei Radler sind die einzigen Ausländer im sportlichen Halbrund. Wir verbringen hier mehr als eine Stunde, ohne dass es langweilig wird.

Bevor ich mich am Nachmittag an den Computer setze fahren wir noch einmal über den Suchbaatar Platz im Zentrum, der heute gut bevölkert ist. Nach dem Mondkalender ist heute ein guter Tag zum Heiraten und so lösen sich hier die Pärchen und ihre jeweils umfangreiche Begleitung im Viertelstundentakt vor dem Parlament und der Tschingis Khan Figur ab. Ältere Leute erscheinen alle in traditionellen Kostümen, während Braut und Bräutigam in weißem Kleid und Anzug geheiratet haben.

Am Abend ziehen wir noch einmal in das traditionelle Restaurant mit Musik. Für Michael und Doro ist es heute der letzte Abend, morgen geht es wieder zurück nach Deutschland bzw. in die Schweiz, währen wir, verstärkt durch Carola, auf unseren zweiten Abschnitt der Tour starten.