Jubel, Trubel, Heiterkeit zum 60. Jahrestag der VR China

62 gemütliche Kilometer, abwärts und mit Rückenwind, anfangs nur 8 Grad, dann T-Shirtwetter

 

Ich habe so schlecht geschlafen, warum weiß ich, als ich mein Zimmer verlasse und mein Blick noch einmal auf die Zimmernummer fällt „414“, das schlechteste, was man in einem chinesischen Hotel bekommen kann, die 13 zum Quadrat, denn phonetisch ähnlich klingt „ ich will sterben und sterben“; da bin ich ja mit Schlaflosigkeit noch einmal gut davon gekommen.

Halb acht starten wir und unsere neuen taiwanesischen Freunde warten schon. Wir haben die gleiche Strecke bis Zhangye, dann zweigen wir nach Süden ab und die beiden fahren weiter die Seidenstraße entlang bis nach Kashgar am entlegensten westlichen Zipfel von China. Wir beginnen den Tag in einer Nudelstube, es ist frostig frisch draußen, nur in der Sonne ist es etwas angenehmer zu fahren. Neben der Straße läuft direkt die Autobahn, so dass wir nicht viel Verkehr haben, die Kulisse ist grandios, denn links am Horizont verläuft eine Bergkette und dahinter liegt ein Massiv mir Schneegipfeln, ein Ausläufer des Qilian-Gebirges.

Alle Städte und Dörfer sind schon seit Tagen geschmückt wegen des 60. Gründungsjahrestages der Volksrepublik China. Überall hängen Nationalfahnen, rote Schriftbanner, Fähnchen, Wimpel und rote Laternen und das Fernsehen macht schon seit Tagen Festprogramm in buntesten Farben, Volksmusik und Ballett, revolutionäre Epen und festliche Revuen in Beijing für verdiente Veteranen. Wir werden in einem kleinen Dorf überrascht. Auf einem kleinen Dorfplatz am Straßenrand sitzen drei Musiker mit Erhu-Instrumenten, der einseitigen chinesischen Geige und ein paar Frauen sind gerade dabei in bunte Kostüme zu steigen. Wir werden heran gewunken und dann beginnt die Show, nur für uns und nicht einmal einem dutzend Leuten aus dem Dorf. Die drei Geigen quietschen Volkslieder und die Damen, meist im reifen Alter tanzen und singen, alle haben ihren Spaß. Wir genießen die Show und bedanken uns und dann geht es weiter in schneller Fahrt. 20 Kilometer vor Wuwei dann der nächste Stopp, dort liegt das Bai Ta Si, eine Tempelanlage mit 101 weißen Stupa und ein weiterer Hinweis auf die Nähe Tibets, denn die Stupa ist eine kleine oder auch große glockenförmige, buddhistische Pagode, die nicht zu begehen ist und die man in Tibet, aber auch in Burma und Laos sehr oft sieht.

Wir wandeln durch duie schöne Anlage, das Wetter ist inzwischen herrlich warm und die weißen Stupa bilden einen wunderbaren Kontrast zum stahlblauen Himmel. Aus dem Lautsprecher dröhnt die Übertragung der großen Militärparade auf dem Tian An Men Platz in Beijing, Marschmusik und Gleichschritt, machen kaum ein gespräch möglich. Da wir ein bisschen hungrig sind, sponsere ich eine Packung Schwarzbrot und ein großes Stück Käse, die Taiwanesen sind begeistert, Aida, so heißt die Schwester, ist gerade aus Deutschland zurückgekehrt und hat von den vielen Brot und Käsesorten geschwärmt, in Taiwan gibt es höchstens amerikanisches Labberbrot und eine Sorte Käse und die heißt auch „Käse“.

Gegen 14 Uhr sind wir in Wuwei, die beiden Taiwanesen verabschieden sich und suchen eine preiswerte Herberge, wir ziehen weiter zum Hotel und bekommen nette kleine Zimmer zu 110 Yuan, also 11 €.

Auf der Straße herrscht großer Trubel, tausende von Leuten sind in der Fußgängerzone unterwegs, natürlich haben die Läden und Kaufhäuser nicht geschlossen, denn Shopping gehört zum Feiertagsvergnügen der Chinesen. Auch wir wollen neben dem Guucken einkaufen. Andreas Videokamera funktioniert seit gestern Abend nicht mehr, der einzige Laden organisiert das gleiche Model binnen einer halben Stunde und Andreas ist glücklich, wieder filmen zu können. Aber nur eine Stunde, denn zurück im Hotel funktioniert die alte Kamera auch wieder; jetzt hat er zwei von diesen Geräte.

Wir genießen den Trubel, die bunten Menschen und die vielen Farben und schlendern über den riesigen Markt. Nichts, was es hier nicht zu kaufen gäbe oder zu essen. Halbe Hammel, roh oder gebraten, die Hammelköpfe lachen gebraten am Wegesrand, fünf Köpfe zu einer Pyramide getürmt. In der letzten Marktstraße hundert von engen Käfigen mit Hunden und Katzen und Kaninchen und natürlich viel Obst und Gemüse und große Stände mit Nüssen und getrockneten Früchten.

Irgendwann, nachdem wir mit einem zahnlosen alten angetrunkenen Mann noch einen 60 Grad starken Schnaps trinken mussten wird es uns zu viel im Gedränge und wir suchen uns in ein kleines Lokal und essen nicht zu hungrig drei nette kleine Gerichte.

Inzwischen ist es draußen dunkel und ab und an wird vor einem großen Kaufhaus Feuerwerk gezündet und bunte Garben explodieren am Himmel. Wir ziehen weiter und landen in einem Tanzhaus, gelockt hatten uns die heißen Rhythmen und die luftig bekleideten Mädels, die schon am Nachmittag den Tanzabend beworben haben, drinnen ist jedoch Dorftanz auf hohem Niveau: Walzer, Tango, Cha Cha Cha. Die Leute sind durchweg geübt und lecken eine flotte professionelle Sohle aufs Parket und um 21 Uhr zeigen dann noch Showtänzer ein kurzes Programm.

Unter weiterem Feuerwerk schlendern wir durch die immer noch belebte Einkaufsstraße zurück zum Hotel und blicken auf einen gelungenen Tag zurück.

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