Mittwoch, 16. Juli 2008, von Meixian nach Xian, 120 Kilometer, 273 Höhenmeter


Heute also der große Spurt in die historische Metropole Xian. Die Wurzeln der Stadt gehen zurück bis auf mehrer Jahrhundert vor unserer Zeit und über mehrere Dynastien war Xian Hauptstadt.

Und natürlich erwartet uns eine Millionenstadt mit mehr als 4 Millionen Einwohnern und entsprechendem Verkehr, also gilt es vorsichtig zu sein. für uns wird es die bisher größte Stadt auf der Reise und das wird am Ende auch nur noch durch Beijing getoppt.

Wieder haben wir einen grauen und verhangenen Tag, aber mir ist es lieber, wenn wir an einem solchen, nicht ganz so heißen Tag in die Nähe der Großstadt kommen.

Anfangs radeln wir durch vereinzelte kleine Dörfer. Rundherum gibt es intensivste Landwirtschaft. Jeder Quadratzentimeter ist bepflanzt um die hungrige Großstadt mit Getreide, Gemüse und Fleisch zu versorgen.

In der Mitte eines kleinen Dorfes gibt es einen großen Auflauf, traditionelle chinesische Musik mit Blasinstrumenten und Trommel künden von einer Beerdigungsfeier. In einem Zelt knien weiß gekleidete familienangehörige der Verstorbenen und beten für das himmlische Wohl dieser. Sie muss aus einer wohlhabenden Familie stammen, denn das fest ist riesig. Von Trauer ist wenig zu spüren, das halbe Dorf ist zusammengelaufen und überall bilden sich kleine Gesprächsgruppen rauchender Männer und plappernder Frauen. Wir werden von den Rädern gezogen und am Festzelt vorbei in den Hof geführt. Hier sitzen dutzende Männer und Frauen und bereiten den Leichenschmaus vor. An einem großen Tisch wird Gemüse geschnitten und daneben kocht ein riesiger Kessel mit einem scharfen Hühnergulasch. Hinten in einem kleinen abgetrennten Raum ist ein prachtvoller Sarg aufgebahrt und hier ist der einzige Ort ohne Gelächter und Spaß, an dem es etwas ruhiger zugeht.

Nachdem wir ein wenig von dem Gulasch probiert und dem bunten Treiben mit den Musikanten zugesehen haben schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren weiter.

Im nächsten Dorf sehen wir große Gestelle an welchen Nudeln zum trocknen aufgehängt werden. Nicht gerade die gesündeste Art und Weiße, direkt neben der stark befahrenen Straße, aber trotzdem schön anzuschauen und gut für ein paar schöne Fotos.

Aus den Straßendörfern werden langsam kleine Städte, die sich wie Perlen aneinander reihen und irgendwann gibt es auch keine Felder mehr zwischen den Städtchen. Vor dem Endspurt auf die Metropole suchen wir uns noch eine Nudelstube und stärken uns, dann tauchen wir in den dichten Verkehr ein. Kurz vor der Stadt setzen sich dann unsere Fahrradputzer durch und an einer Autowaschstation werden die Räder abgespritzt und auf Hochglanz gebracht.

Im dichten Pulk geht es dann auf das Zentrum zu, der Verkehr ist nicht ganz so chaotisch wie in Lanzhou, denn die Straßen sind breit und gut ausgebaut und es gibt einen breiten Seitenstreifen für Fahrräder. Erst im Zentrum müssen wir darum kämpfen, dass unsere Gruppe nicht ständig von Busfahrern zerteilt wird. Selbige fahren gnadenlos. An den Haltestellen wird ohne zu blinken an den Straßenrand gefahren, egal, ob sich noch Radler dort befinden oder nicht und auch beim Losfahren schwenkt der Bus ohne Blinken und Spiegelschauen in die Straßenmitte. Wild schimpfend und fluchend gelingt es mir die schlimmsten Drängler fernzuhalten. Kurz vor der Stadtmauer, die mit 13 Kilometern das historische Zentrum umfasst, holen wir dann auch die Teilgruppe ein und legen die letzten Kilometer gemeinsam zurück. Gerade geht es auf den Glockenturm im Zentrum zu, um den wir noch eine Ehrenrunde drehen, dann stehen wir auch schon vor unserer 4 Sterne Luxusherberge mit Fahrradparkplatz in der Tiefgarage. Die Zimmer sind riesig mit superschnellem Internetzugang, computergesteuerter Beleuchtung und Glasfront zum Toiletten-Duschtrakt.

Ich komme endlich wieder dazu ein paar Tage in das Blog einzustellen und Bilder zu bearbeiten und um 20 Uhr bin ich zu faul, um außerhalb zu essen, aber das Hotelrestaurant bietet ein hervorragendes Buffet für 5 Euro inklusive mehrer Biere. Ich esse mich einmal von vorn nach hinten durch all die Leckereien und kehrte noch einmal zum Grillstand für ein blutiges Steak zurück. Dann geht es wieder an den Computer zurück und als ich gegen ein Uhr morgens das Licht lösche habe ich wieder einmal ein gutes Stück Arbeit geschafft und kann guten Gewissens träumen.

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