25. Tag: Donnerstag, der 23. August 2012

Mittwoch, den 29. August 2012

Bis zum Anschlag

95 Kilometer durch Wüste und Staub, natürlich alles Piste, von Camp zu Camp, lasche 249 Höhenmeter, dafür Gegenwind bei 28 Grad

Am Ende kommen wir heute gerade einmal auf einen Schnitt von 14 km/h, doch wir sind gut gerädert. Dabei war es mit 28 Grad nicht einmal richtig heiß, aber 28 Grad im Schatten sind etwas anderes, wenn sich in der näheren Umgebung von 300 Kilometern kein einziger Baum uns Strauch befindet. Schon vom Morgen an hatten wir einen mittleren Gegenwind und die Piste ist ab und zu recht sandig. Zwar wird mit ziemlichem Aufwand an der neuen Straße gearbeitet, aber eine Fertigstellung ist in diesem und im nächsten Jahr nicht in Sicht. Immer mal wieder kann man oben auf der neuen schon verfestigten Straßengrundierung fahren, aber aller 800 Meter muss man dann wieder runter von der Straße in den Sand und das ist mehr als nervig. Auch werden wir gut eingestaubt von den LKW, die natürlich mindestens zu 50% auf der falschen Seite vorbeirauschen und eine dicke Staubfahne hinter sich herziehen.

Und heute Morgen hatten wir gleich zum Auftakt unseren ersten Plattfuß, die Ursache war allerdings nicht das Dornengestrüpp, dass sich hier als fast einzige Vegetation noch hält, sondern ein dünner Stahldraht von einem der zerfledderten Autoreifen, die überall am Pistenrand herumliegen. Der Plattfuß vom Dornenzeugs, auf Mongolisch „Uhfs“ genannt und unseren Radlern vom letzten Jahr noch grauenvoll in den Ohren, dieser Plattfuß folgt erst am späten Nachmittag bei mir. Glücklicherweise prüfen wir alle Räder und Mäntel schnell nach weiteren Dornen, keine vergebliche Mühe, denn bei unseren kurzen Abstecher zur Mittagspause auf einen kleinen Hügel hat jeder von uns Unmengen aufgesammelt, die wir nun mit Mühe wieder herauspulen, bevor sie sich in den nächsten Stunden und Tagen durchs „unplattbare“ Keflar schieben.

Was gibt’s heute außer Staub und Dreck noch zu berichten, Mugi hat mittags wieder einen tollen Salat gezaubert und abends einen leckeren Reis mit Gemüse und Tofu. Vom Wodka brauchen wir nur einen winzigen Schluck, da es an Bettschwere nicht mangelt.

24. Tag: Mittwoch, der 22. August 2012

Mittwoch, den 29. August 2012

In der Wüste

126 Kilometer von einem Camp zum anderen, von der Trockensteppe in die Wüste, die Hälfte davon auf staubiger Piste, drehende Winde bei 26 Grad, 575 Höhenmeter

Richtig ruhig ist es nie in der Wüste, denn selbst wenn man drei Kilometer von der Piste oder von der Eisenbahn weg ist, hört man doch in der weiten Ebene die Geräusche immer noch fast ungedämmt. Die Nacht war ziemlich kalt, es hatte vielleicht fünf oder sechs Grad und so sitzen wir recht gut eingemummelt beim Frühstück und freuen uns über die ersten Sonnenstrahlen und wir sind guter Hoffnung unseren Kältepol überwunden zu haben. Gegen 10 Uhr ist es dann auch schon so, wie man es von einer Wüste erwartet und wir sind nach einer guten Woche dann wieder einmal im T-Shirt unterwegs. Der Rückenwind ist leider weg es weht straff von der rechten Seite ein bisschen von vorn und macht uns leicht zu schaffen.

Langsam wir die Landschaft auch trockener, die Vegetation wird immer krautiger und es gibt immer weniger Kühe und Pferde, dafür tauchen erstmalig auch Kamele auf. Hinter Choir sind wir dann endgültig in der Wüste, denn 5 Kilometer hinter dem mickrigen und staubigen Städtchen hört der Asphalt auf und die Straße spaltet sich in mehrere mehr oder weniger laufende Pisten auf.

Mit der Straße nach China sind die Bauarbeiten noch nicht weit vorangekommen, zwar wird an der Piste gearbeitet und das bett für die Straße verfestigt, aber im letzten Jahr sah es hier nicht viel anders aus.

In meinem Schalthebel macht es plötzlich laut „Ratsch“ und der Zug ist durch, aber nicht nur dass, der Hebel verweigert auch die Arbeit mit einem neuen Schaltzug. Wie vor drei Monaten bei meinem Berliner Fahrrad. Nur dass der nächste Fahrradladen 800 Kilometer von uns entfernt in Datong liegt. Ich stelle die Schaltung also in einem mittleren Gang fest und habe damit nur noch einen Gang zum fahren, für Berge und wilde Abfahrten kann ich dann noch das Blatt wechseln, aber mehr Variationen gibt es nicht.

Der Kantenwind hat aber glücklicherweise nach hinten gedreht und so kommen wir auch auf der Piste sehr gut voran und am Abend stehen wieder 126 Kilometer auf dem Display.

Bei dem scharfen Wind ist es nicht ganz einfach die Zelte aufzustellen, zumal der Untergrund ziemlich steinig ist, aber wir helfen uns alle miteinander und nach einer halben Stunde sitzen wir beim Abendessen und genießen den Sonnenuntergang.

133. Tag: Freitag, der 26. August 2011

Freitag, den 26. August 2011

Zurück in der Grassteppe

124 Kilometer mit Gegenwind durch die leicht bergige Grassteppe von Sinnidbanner nach Xiang Huang, 524 hm bei 28 Grad und Sonne und Wolken

Am Anfang sieht es windtechnisch gesehen recht gut aus, es ist windstill und wir fliegen über den Asphalt. Heute sind wir von der Autobahn abgebogen und fahren über eine kleine Straße einen östlichen Bogen durch die Landschaft. Und heute gibt es endlich wieder einmal ein wenig Landschaft.

Die Wüste ist nicht mehr gabnz so trocken und wird schon langsam wieder zur Grassteppe. Damit kommt natürlich wieder etwas mehr Grün in die Landschaft. An Jurten fehlt es weiter hier in der Inneren Mongolei, wie dieser Region Chinas heißt. Die Hirten, die wir heute auch mit ihren Herden treffen haben das Nomandenleben aufgegeben und wohnen in kleinen Backsteinhöfen, die über die Weite der Steppe verstreut liegen. Auch sehen wir die Hirten nicht zu Pferde bei ihren Herden, sondern zumeist auf dem Motorrad. Am Anfang treibt uns der Wind knappe zwei Stunden gut durch die Grassteppe, doch dann schlägt er wieder um und weht fast von vorne und so wird es wieder ein harter Tag, zumal doch einige länger Hügel auf uns warten. Auch heute gibt es wieder kein Lokal unterwegs und wir haben unseren Junkvorrat am Morgen noch einmal aufgefüllt und um ein paar unnatürlich aussehend Würstchen und süße Kekse aller Art aufgefüllt.


Unser Ziel ist eine weitere Retortenstadt, die irgendwann einmal eine Jurtensiedlung war und die die in den letzten fünf jahren komplett aus dem Boden gestampft wurde. Vielleicht 30.000 Menschen wohnen hier, aber es gibt ein giagntisches Verwaltungshaus und gleich zwei anständige Hotels in dem Kaff. Auf der Straße ist eigentlich nicht viel los, trotzdem ist die Haupstraße grandios illuminiert. Auf vielleicht zwei Kilometern Länge stehen aller 30 Meter kitschige Lampen mit jeweils 96 „Leuchtelementen“. Leider war ich am Abend zu müd und habe vergessen, die Kamera mit zum Abendessen zu nehmen. Aber ich bin nicht der einzige müde krieger und so wählen wir gleicgh ein kleines Restauranf gegenüber dem Hotel, wo wir wieder vorzüglich speisen.

132. Tag: Donnerstag, der 25. August 2011

Donnerstag, den 25. August 2011

Im Gegenwind durch den Jurassic Park

121 km von Erlian nach Sunidbanner, 173 Höhenmeter und heftiger Gegenwind, vierspurige Autobahn und noch einmal ein Tag in der flachen weiten Gobi, leichter Regen bei recht frische 24 Grad

Eigentlich ist das chinesische Frühstück nicht jedermanns Sache, aber hier im Hotel war es recht ordentlich, etwas ungewohnt, am Morgen eingelegtes Gemüse und gebratene Auberginen zu essen oder dünne Reissuppe zu schlürfen, aber es gibt eine nette kleine Auswahl an Gerichten, so dass jeder etwas finden kann.

Eine kleine Geschichte habe ich gestern noch vergessen, als wir unsere Räder parkten. Die Mangerin hat für uns auf dem großen Parkplatz eine gut mit Monitor überwawachte Ecke herausgesucht, dann rief sie einen Arbeiter mit Farbeimer, der extra für unsere Räder eine Parkfläche markierte, auf der wir dann unsere Räder zusammenschließen konnten. Zum Schluss schleppten drei Hotelmitarbeiter noch eine Absperrkette heran und bauten diese rundherum auf. Alles mit lachenden gesichtern und heller Begeisterung über die 12 verrückten Radler.

China ist immer noch das „Hello“-Land. An der Straße winlken uns die Chinesne zu und jeder dritte Auto fährt langsam und der Beifahrer fällt fasst herau beim gucken und „Hello“ rufen oder macht schnell ein Foto mit dem Handy.

Langsam lassen wir die modernen Hochhäuser hinter uns, vor der Stadt wird der neubau in immensem Tempo weiter voran getrieben. Wo nehmen die Chinesen nur das Wasser her für solche Projekte in der Wüste.

Wasser gibt es am Anfang ein wenig von oben. Es regnet und der Himmel ist Grau, als wir wieder in die Wüste eintauchen. Heute aber nicht mehr asuf einer holprigen Piste, sondern auf einer vierspurigen Autobahn, allerdings mit kräftigem Gegenwind.

Vor der Stadt in der Wüste liegt „Jurassic“ Park. Große Dinosaurier weiden in der Wüste und recken ihre Hälse in die Luft oder strecken sich an den Boden, um die kargen Grasbüschel zu zupfen. Erst sind es nur ein paar wenige, dann werden es immer mehr.

Knapp 100 lebensgroße Skulpturen der verschiedensten Arten „beleben“ hier die Wüste. Den Abschluss bildet eun großes Tor zweier Tiere über die Autobahn, die Köpfe der Tiere treffen sich über dem Mittelstrreifen.

Der Tag heute wird eine üble Plackerei, denn wegen des Windes kommen wir kaum schneller als 15 km/h voran. Rundherum gibt es nicht viel zu sehen, die Landschaft ist mehr als platt und eben und runherum nur Wüste. Mehr kleine Siedlungen gibt es als in der Mongolei und kaum noch Jurten. Die meisten Nomaden hier sind in kleine Häuser umgezogen. und manchmal steht dann eine Lehmhütte in der Prärie und dahinter eine giangtisch Windmühle, die sich gemächlich dreht und ihren Teil zum Stillen des chinesischen Energiehungers beiträgt.

Unterwegs gibt es leider kein einziges Restaurant, aber wir waren gut vorbereitet und junkfooden uns durch den Tag. Wir hatten noch Unmengen an Äpfeln und Bananen, Keksten und kleinen Snacks besorgt, die wir heute in den Pausen nach und nach vernichten, dazwischen geht es dann immer in 15 Kilometer Schritten nach Süden, immer fest in der Gruppe gefügt und im „Belgischen Kreisel“ rotierend dem Wind trotzend.

Erst am Abend, kurz bevor dei Sonne am Horizon versinkt erreichen wir nach 120 Kilometern Sun Ni Ban Er, wieder ein modernes Städtchen, etwas kleiner als Erlian, aber alles neu und in den letzten 5 Jahren aus dem Boden gestampft. Müde sind wir und ziehen gleich los in ein Restaurant am Ende der Hauptstraße. Endlich können wir unseren Enegiebedarf mit vernünftigen Gerichten decken und es geht wieder kreuz und quer durch die chinesische Küche. Noch müder traben wir dann ins Hotel zurück und auch ich will nur noch duschen und ab ins Bett.

131 Tag: Mittwoch der 24. August 2011

Mittwoch, den 24. August 2011

Reich der Mitte – Kulturschock

15 chaotische Kilometer über die Grenze nach Erlian, Kulturschock in der aufgeputzten chinesischen Kleinstadt mit modernen Häusern, etwas Grün dazwischen und quirligem Händlerleben, grandioses chinesisches Abendessen

Heute Morgen heißt es noch einmal Abschied zu nehmen von unserem mongolischen Begleitteam und wir sind alle ein wenig traurig. Außerdem müssen wir in den Bus steigen, denn die Grenze darf idiotischerweise nur mit einem Fahrzeug überwunden werden. Wenig später lernen wir, dass diese Regelung nur dazu dient, einer ganzen Region zu Lohn und Brot zu verhelfen, es ist eine riesige ABM Maßnahme. Schon vor der grenze stauen sich Stoßstange an Stoßstange Jeeps russischer Bauart, gnadenlos mit Leuten voll gestopft und warten, dass an der Grenze etwas passiert. Die Jeepfahrer haben eine Genehmigung, nach Erlian auf der anderen Seite zu fahren und verdienen gut daran, die Passagiere in beide Richtunge zu kutschieren. Vor dem Grenzvorposten sammeln sich dann an die 100 Jeeps, eine Hand voll Busse und 50 LKW und alle wollen nach China. Aller 20 Minuten wird das Tor geöffnet und es dürfen 3 LKW, ein Bus und 10 Jeeps passieren, dann passiert wieder 20 Minuten nichts. Je näher man an den Grenzposten wird, umso größer wird das Gedränge. An der mongolischen Grenzanlage müssen alle aussteigen, theoretisch soll alles Gepäck mitgenommen werden, aber wir lassen die Räder und die schweren Koffer im Bus und stürzen uns ins Gedränge. Zwar ist eine Grenzangestellte bemüht, die Reihen zu bündeln und zu sortieren, aber das misslingt und es wird gedrängelt, was das Zeug hält. Um heute noch auf die andere Seite zu kommen, versuchen wir „dicht“ zu machen und keinen mehr vorbei drängeln zu lassen, das gelingt auch ganz gut, bis es fast zu Hangreiflichkeiten kommt. Ein fetter Mongole versucht es besonders dreist von allen Seiten und ich muss mein bösestes Gesicht aufsetzen und die Ellenbogen einsetzen, um ihn nicht vorbeizulassen. Der ist so sauer, dass er dann meine Taschen mit Tritten malätriert. Die herbeigeeilte Beamtin entreißt ihm seinen Pass und der Mann beginnt die Dame zu schubsen und zu stoßen und mit roher Gewalt seinen Pass zurück zu bekommen, aber die Gerechtigkeit siegt und der Mann muss ohne Pass wieder abdrehen. Für die Aktion mit dem Grenzposten wäre er auf einem deutschen Grenzposten erst einmal arrestiert worden. Dann geht alles weitere bei den Mongolen reibungslos und endlich nach vier Stunden haben wir die Mongolei verlassen und stehen im Niemandsland.

Dort herrscht dann Krieg. Krieg auf der Straße, die sich auf eine Spur verengt und nun wird klar, warum die alten Russjeeps so verbeult und Stoßstange an Stoßstange stehen. Jede noch so kleine Lücke ist um kämpft und es wird gnadenlos in die Warteschlange gestoßen, das die bremslichter splittern. Hier müssen wir wieder fast zwei Stunden warten und haben unseren Spaß beim beobachten der Straßenschlacht. Einmal gehen zwei mongolische Fahrer dann sogar mit einer Eisenstange aufeinander los.

Doch dann sind wir irgendwann durch das Tor und damit auf chinesischem Boden und alles ändert sich. Im Grenzposten viele Warteschlangen in einem modernen Gebäude und es geht gut sortiert und freundlich ins reich der Mitte.

Wir treffen auf der anderen Seite Xiao Pang, unseren neuen Fahrer mit einem Kleinbus und laden die Räder auf die Straße und das Gepäck ins Fahrzeug und rollen die letzten drei Kilometer bis zum Zentrum ins Hotel.

Welcher Unterschied! Die Hauptstraße vierspurig und asphaltiert. Am Straßenrand Gras und Bäume und Blumen, moderne Häuser und Laden an Laden. Auf den Straßen Taxis, Radfahrer und Elekto-Radfahrer, es ist ein wenig, als ob wir einen anderen Planeten betreten haben.