Archiv: 2011 Berg Tempel Tankhas

21. Tag: Ein wahrhafte Königsetappe

Samstag, den 17. Oktober 2009

108 Kilometer von Tongren nach Xiahe über drei Pässe bei gutem Wetter, erfrischenden 0 bis 12 Grad und rekordverdächtige 2006 Höhenmeter Kletterei

 

Sieben Uhr ist es draußen verdammt kühl, ein halbes Grad über Null zeigt das Thermometer, doch wir müssen zeitig los, denn heute erwarten uns hohe Berge und eine lange Strecke. Am Anfang geht es über kleine Hügel wieder das Tal hinunter. Über der Stadt und den kleinen Siedlungen hängen dicke Dunstglocken, denn geheizt wird hier hauptsächlich mit Yakmist und der räuchert unwahrscheinlich. Wir verlieren noch einmal 200 Höhenmeter und sind dann „unten“ auf 2300 Metern. An unserem Abzweig findet sich eine Nudelstube und wir tanken noch Wasser und Kekse, dann geht es im Nebental bergan und es kommt wieder etwas Leben in die Fingerkuppen. Ein wenig später schafft dann auch die Sonne den Sprung über den Kamm der Berge und dann können wir uns der dicken Sachen erledigen. Von Anfang an geht es straff aufwärts, ab und an kommen wir durch ein kleines tibetisches Dorf. Die kleinen Höfe sind von hohen Lehmmauern eingefasst und nur ab und an kann man von der höher gelegen Straße einen kleinen Blick in den Innenhof erhaschen. Meistens gibt es ein Gebäude mit Wintergarten, der Lehmgrund ist sauber gefegt und an den Wänden kleben Yakfladen zum Trocknen.

Etwas weiter oben fahren wie durch ein schönes Tal mit viel Tannenwald, sehr lieblich und mit leichtem Rückenwind wirklich gut zu fahren. Schon gegen 11 Uhr sind wir am ersten Pass mit nur 3320 Metern Höhe und dahinter liegt weites Grasland, ich befürchte, dass dies noch nicht der Hauptpass ist. Nach einer kurzen Abfahrt in das kleine Städtchen Repung bewahrheitet sich meine Vermutung. Der Pass liegt noch 10 Kilometer hinter der Stadt. Recht gemütlich schraubt sich der Weg nach oben und wir erreichen wieder einmal 3650 Meter. Auf beiden Seiten liegt weites Grasland und überall in den Bergen gibt es weiße Punkte von Schaf und Ziegenherden. Unten im Tal dominieren große Yakherden. Bis auf 3300 Meter Höhe wird Landwirtschaft betrieben. Die niedrigeren Felder sind bereits abgeerntet, aus den höheren Feldern arbeiten die Frauen mit sicheln und binden die abgeschnittenen Halme zu großen Garben.

20 Kilometer müssen wir überunasphaltierte Piste, aber es geht abwärts und so lassen wir die Räder laufen und rumpeln über die Löcher. Das rächst sich dann bei Andreas Rad, der auch mit 28’ fährt und nicht wie Thomas und ich mit 26’ und eine Speiche fliegt heraus und er muss den Rest des Tages mit einer kräftigen „8“ leben.

Am späten Nachmittag erreichen wir wieder eine kleine Stadt, bis Xiahe, unserem Zielort sind es nur noch 25 km, aber es geht noch einmal über einen Pass. Der zieht sich dann endlos in die Länge und wir sind wirklich froh, als wir gegen halb sechs Uhr die Passhöhe mit 3350 Metern erreichen. Hinter uns können wir noch einmal einen wunderbaren Blick über die weite grüne Ebene werfen und dann packen wir uns ein für die Abfahrt. Eine halbe Stunde später rollen wir dann im Ort Xiahe ein und finden auch schnell ein Hotel. Der Höhenmesser zeigt, dass wir mehr als 2000 Meter heute geklettert sind und so fühlen wir uns auch, nicht sonderlich schlapp, aber ausgelaugt und ein wenig unterkühlt. Dementsprechend faul sind wir dann nach einem dünnen heißen Duschstrahl und bleiben im mäßigen Hotelrestaurant. Danach geht es gleich ins Bett, zumal die Zimmer nicht geheizt sind und draußen schon wieder alles in eisiger Kälte erstarrt.

20. Tag: Tankhas, Mönche, Tempel

Freitag, den 16. Oktober 2009

Ruhetag in Tongren, Besichtigung des Longwu Tempels, Mittagsschlaf und weiterer Tempel

 

Wieder ein sonniger Morgen und gegen halb 10 sind wir bereit, die Stadt zu erobern. Auf dem Weg zum Longwu Tempel gibt es zahlreiche tibetische Läden, es werden Industriewaren verkauft und eiserne Heizöfen, die uns schon viel Freude gebracht haben. Da die Stadt ein religiöses Zentrum ist, gibt es auch Mönchaustatter und Läden mit Räucherstäbchen, Gebetsfahnen und religiösem Klimbim. Dann kommen moslemische Nudelstübchen, tibetische Gersteröstereien, in denen das Mehl für Tsampa, der tibetischen Nationalspeise, zubereitet wird. Und es gibt jede Menge Schneidereien mit den verrücktesten Stoffen, Leopardenfellimitationen und gelbem und rotem Plüsch. Die Tibeter und Tibeterinnen lieben es, ihre dicken Jacken und Mäntel mit bunten Stoffen oder Fellimitaten zu verfeinern.

Am Tempel herrscht reger Betrieb, die Pilger aus allen Regionen des Landes sind schon mächtig am Runden um den Barkhor, also den Weg um den Tempel, zu laufen und die Gebetsmühlen rotieren zu lassen. Vor einer großen Buddhastatue sind einige Frauen dabei sich 88 Mal oder mehr auf den Boden zu werfen. Im inneren des Tempels herrscht noch regerer Betrieb. In eiligen Schritten umlaufen die Pilgermassen jeden Tempel 8 Mal im Uhrzeigersinn, Gebetsmühlen rasseln und Glöckchen klingen.

Im Gegensatz zum Ta’er Kloster sind die Mönche hier locker und entspannt, man darf faktisch überall fotografieren, selbst im Tempelinneren. Die einzelnen Gebäude beherbergen verschieden Gottheiten, die tausendarmige Guanyin spielt hier eine wichtige Rolle und Tsonkhapa, der Religionsstifter in Tibet, wird verehrt.

Wir durchschreiten gemütlich die vielen Tempel und werfen auch einen Blick in die hinteren Gebäude. Hier haben die Mönche ihre Quartiere und von den hinteren Tempeln am Berg hat man eine schöne Sicht über die gesamte Anlage.

Interessant ist, dass man in den meisten Tempeln wieder ein Bildnis des Dalai Lama findet, seit zwei Jahren sei das wieder möglich erklärt mir ein Mönch, erlaubt wäre es nicht, aber die Mönche scheren sich nicht um die Einhaltung des Verbotes und die „da oben“ nicht umn die Durchsetzung.

Unten am Tempel sind dann drei Tankha Malstudios und wir werfen einen Blick auf die Kunstwerke. Leider ist alles zu groß, um auf dem Fahrrad transportiert zu werden.

Mittags schlendern wir dann wieder durch die Straßen des Städtchens und über den belebten Markt. Ein großer Teil des Handels ist in moslemischer Hand, genauso wie die Restaurantszene von den Hui bestimmt wird.

Am Nachmittag fahre ich mit Thomas zu dem Tempel zurück, den wir gestern Abend nur kurz von außen gesehen haben. Zuerst drehen wir mit einem alten Mann eine Runde um den Barkhor und besteigen dann einen der beiden großen Stupa. Der linke Stupa ist reich mit Buddhafiguren verziert und der rechte ganz mit Kupfer verkleidet und strahlt in der Nachmittagssonne, genau wie die Dächer der Tempel. Ein Mönch führt uns bereitwillig durch die gesamte Anlage, die während der Kulturrevolution komplett zerstört war und in den letzten 15 Jahren wieder errichtet worden ist, in völlig neuem Glanz. In der Haupthalle ein tausendarmige stehend Guanyin von vielleicht 12 Metern Höhe zeugt von der Handwerkskunst der heimischen Buddhamachergilde. Alle Tempel sind noch mit 1000 Buddhanischen versehen, in denen, wie nicht anders erwartet noch einmal 1000 kleine Buddhafiguren aufgestellt sind. Alle noch freien Wände sind reich mit Tankhas geschmückt die aus den Klosterwerkstätten stammen. Und auch unser Mönch malt und wir besichtigen seine kleine Stube und eine nette Kollektion an Bildern.

Richtig überzeugen kann jedoch der Künstler direkt am Eingang und hier gibt es auch endlich schöne kleine Bilder, Thomas ersteht einen Manjusri, den Boddhisatva der Weisheit, der mit dem Schwert die Unwissenheit zerteilt und ich entscheide mich für eine Weiße und eine Grüne Tara.

Glücklich über den Kauf und einen eindrucksvollen Tag kehren wir zurück und verkraften sogar das lausige Abendessen, dann heißt es schon wieder packen, denn morgen haben wir eine lange und schwere Etappe vor uns.

19. Tag: Durchs Hochland nach Tongren

Donnerstag, den 15. Oktober 2009

70 Kilometer von Shunhe nach Tongren, wieder ein hoher Pass mit 3320 Metern, vor Tongren viele buddhistische Klöster bei 8 bis 16 Grad und Sonne, stattliche 1693 Höhenmeter

 

Angenehm warm war es die Nacht in Shunhe, seit langem brauchten wir keine doppelten Deckbetten mehr und auch früh ist es nicht ganz so erfrischend kalt und auch die Sonne beglückt uns mit ihren warmen Strahlen. Es geht gleich ordentlich bergan und schon nach kurzer Zeit entblättern wir uns bis aufs T-Shirt, so macht Radfahren auch am Berg Spaß.

Ins Tal hinein nimmt die Zahl der Moslem Gehöfte ab und es wird zunehmend tibetischer. Nach 11 km kommen wir ins nächste Städtchen und verschlingen eine große Portion gebratenen Reis. Die Läden und Restaurants sind jetzt alle tibetisch und im Ort gibt es eine Schule für buddhistische Mönche.

Wieder führt der Weg durch einen schönen Canyon, doch heute, stromaufwärts, ist es etwas anstrengender als gestern. Und es geht kräftig nach oben, gestartet sind wir auf 2400 Meter und nun zeigt der Höhenmesser fast schon wieder 3000 Meter und noch ist kein Ende abzusehen. Ein tibetisches Straßenbauteam lädt uns zu heißen Pellkartoffeln ein und so gestärkt geht es dann ins Hochland. Auf den großen Grasflächen sehen wir heute richtig große Yakherden und heute sind die Tiere auch nicht so scheu und man kann ihnen erfolgreich mit dem Fotoapparat auf die Pelle rücken. Es gibt viele große schwarze Tiere, aber auch graue und gescheckte. Im Vergleich zu unseren Kühen sind die Tiere ein wenig kleiner, haben ein zotteliges Fell und sind unheimlich wendig und behände. Kommt man ihnen zu nahe wenden sie mit einem Sprung und machen kräftige Sätze von dannen.

Kurz vor dem Pass gibt es noch ein kleines Dorf mit einem kleinen Laden und relativ schnell laufen ein paar Leute zusammen, um die ausländischen Radler zu bestaunen. Die Männer haben dicke Mäntel um die Hüfte gewickelt und einige Frauen tragen schweren Silberschmuck, die Gesichter sind gegen die Sonne verhüllt, aber die Augen verraten Neugier. Leider lassen sich nicht gern fotografieren und laufen sofort kichernd auseinander, sobald man nur Kamera greift. Auch hier oben wird kaum Chinesisch gesprochen, sondern nur Tibetisch.

Endlich ist der Pass erreicht, die letzten Kilometer hatten wir noch leichten Gegenwind, wieder sind wir 1300 Meter geklettert und das GPS Gerät zeigt 3320 Meter über dem Meeresspiegel an. Oben ist es relativ unspektakulär, aber die Abfahrt ist sehr schön, wieder ragen rechts und links Formatinen aus rotem Lehm in die Höhe. Überall auf den Hügeln ringsum gibt es Steinhaufen mit Gebetsflaggen und bunten Wimpeln.

Nach Tongren geht es dann noch einmal recht hügelig leicht nach oben, aller drei Kilometer gibt es ein kleines Kloster und kurz vor der Stadt steht ein erster großer Klosterkomplex. Acht weiße Stupa bilden den Weg zum Eingang, der gesamte Barkhor, also der Weg um den Tempel, ist mit Gebetsmühlen gesäumt, aber nur einige wenige einsame Pilger drehen ihre Runden. Der Tempel hat leider schon geschlossen, nur der kleine Tankha-Laden hat noch offen. Im Laden sitze einer der Künstler und arbeitet an einer vierarmigen Guanyin, tolle Bilder sind im Laden ausgestellt. Die Preise sind auch deftig, kleine Tankhas kosten 80 € und die teuersten Stücke sind mit10.000 € ausgepreist.

Langsam will die Sonne hinter den Bergen verschwinden und so sehen wir zu, dass wir in die Stadt kommen, es gibt in der Hauptstraße einige Hotels, wir nehmen das Telcom-Hotel mit Internetanbindung, dafür gibt es nur einen dünnen Strahl heißes Wasser aus der Dusche.

18. Tag : Tibetisches Hochland und moslemisches Monument-Valley

Mittwoch, den 14. Oktober 2009

90 Kilometer über einen 3816 m hohen Pass von Qutan nach Shunhua bei 1 bis 16 Grad und viel Sonne, 1450 Höhenmeter

 

Am Abend hat uns Andreas schönes Wetter prophezeit und seine Voraussage trifft zu, es ist glasklar und ziemlich kalt. Wir haben alle etwas lange geschlafen und werden durch das Dröhnen des Lautsprechers geweckt, die Mannschaft des Restaurants ist draußen in Reih und Glied zum Frühsport angetreten.

Gleich von Anfang an geht es straff bergan, ein Pass wartet irgendwo links auf uns, genaue Höhenangaben kann keiner machen, die Aussagen schwanken zwischen 3000, 3800 und 5000 Metern, für den Radfahrer schon ein beträchtliches Anforderungsspektrum.

Hier unten im Tal sind die Bauern alle wieder fleißig auf den Feldern, die Felder werden mit Pferden oder Eseln umgepflügt, Kartoffeln geerntet oder Yakfladen an die Wände zum Trocknen geklebt.

Nach 10 Kilometern hört der Asphalt auf und wir bekommen erstmals den Pass zu Gesicht. Zwischen hohen Gipfeln Thront ganz weit entfernt eine Schneebrücke und ein Gebetshaufen. Mein Gott müssen wir weit hoch und es sieht verdammt kalt aus! Unten ist fast noch T-Shirt-Wetter und schönster Herbst, es gibt wunderschöne Nadelwälder und die Lärchen stehen kurz davor, die Nadeln abzuwerfen. Alles leuchtet in bunten Farben.

Der Weg führt in weiten Serpentinen nach oben, die Piste ist in gutem Zustand und es fährt sich fast so gut wie auf Asphalt. Fahrzeugen begegnen wir kaum. Einmal pro Stunde vielleicht ein Traktor und dann noch ein Minibus. Der Winter hat hier schon fast Einzug gehalten, selbst am frühen Nachmittag unter der Sonne tauen einige kleine Rinnsale auf der Straße nicht mehr auf. Bei Regen scheint die Straße sehr gefährlich zu sein, denn es bröckeln auch heute kleine Steine von der Böschung herunter, manchmal auch ein faustgroßer Brocken und große Steinhaufen und Felsblöcke am Straßenrand zeigen, dass auch noch mehr möglich ist. Ein einsamer Arbeiter hinter einer Kurve ist mit einer Schaufel bewaffnet und räumt das Geröll beiseite, kaum ist er ein paar Meter weiter, klappern hinter ihm die nächsten Steine auf die Piste.

Halb drei dann die letzte Kehr, die Temperatur ist jetzt bei einem Grad, aber in der Sonne erscheint es nicht so kalt, dann sind wir oben und für Andreas und Thomas wieder neuer Höhenrekord: 3816 Meter über dem Meer. Fünf Zentimeter Schnee liegen hier und am Gebethügel wehen bunt Fähnchen im leichten Wind.

Flugs schlüpfen wir in unsere wärmsten Sachen und dann geht es auf der anderen Seite in eine weite Ebene. Inzwischen hat sich der Himmel ein wenig zugezogen und die Wolkenfelder bilden einen tollen Kontrast zu den Bergen und der Hochebene. Überall weiden große Yakherden, aber die Tiere sind ziemlich scheu und wenn man sich langsam nähert traben sie von dannen und nur Yakärsche zu fotografieren, macht auch keinen Spaß.

Das erste Dorf ist rein tibetisch, jedes Haus eine kleine Festung und die Tibeter ganz emsig dabei sich auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten.

Obwohl es schon halb fünf ist, beschließen wir, nicht im nächsten Städtchen zu bleiben, sondern noch 40 km weiter zu fahren. Es wird eine rasend Abfahrt durch ein schmales zerklüftetes Flusstal. Links und rechts ragen monumentale Türme in die Abendsonne, die der regen aus dem rötlichen Sediment gespült hat. Alle 100 Meter eine neue Aussicht und wieder ein Fotostopp. An einer Kurve treffen wir auf einen Chinesen, der schon drei Monate unterwegs war, bis Lhasa ist er vorgestoßen und sagt, dass er dieses Jahr komischerweise keine ausländischen Radler getroffen habe. Die Ursache ist natürlich die restriktive Genehmigungsvergabe für Tibet seit den Olympischen Spielen und den Unruhen im letzen Jahr, aber das gilt ja nicht für Chinesen. Seit letztem Jahr kommt man nur noch mit lokalem Führer und einer gebuchten Reise in die zentralen Regionen Tibets, lediglich die Randregionen und die Provinzen Qinghai, Sichuan und Gansu sind ohne Sondergenehmigung bereisbar.

Als sich die Schlucht nach 10 km wieder öffnet sind wir in einem fruchtbaren Tal, das von chinesischen Moslems, den Hui, bewohnt wird. Viele Moscheen und viel Kinder fallen sofort auf und Chinesisch spricht kaum jemand mehr. Selbst die Frage nach einem Hotel oder Guesthouse wird nicht verstanden. 10 Kilometer geht es noch weiter abwärts bis in einen Vorort von Shunhe. Hier gibt es eine große Kreuzung an der wir abbiegen müssen und auch ein schäbiges Hotel. In dem Städtchen, das auch sehr moslemisch geprägt ist, werde ich wieder verstanden und neben dem Hotel gibt es auch ein Restaurant mit zwei kargen Gemüsegerichten für Thomas und leckeren Fleisspießen für Andreas und mich. Im Restaurant gibt es kein Bier und auch in den Läden rundherum ist nicht eine einzige Flasche aufzutreiben.

Mächtig weit sind wir abgefahren in den letzen drei Stunden, fast 2000 Meter ging es herunter und es war eine Freude über die gute Straße in die Tiefe zu rasen, aber ich fürchte, dass es morgen wieder gut bergan geht. Genaueres können uns der Hotelier und die Leute im Dorf nicht sagen und so bleibt uns nichts anderes als abzuwarten.

Siebzehnter Tag: Ausflug in die Ming-Dynastie

Dienstag, den 13. Oktober 2009

23 Kilometer von Ledou nach Qutan, Besichtigung des mingzeitlichen Klosters, kleiner Ausflug in die Umgebung, leichter Sonnenschein

 

Bei fast klarem Himmel und Sonnenschein frühstücken wir, zusätzlich zur Baotze gibt es Sojamilch und Youtiao, in Öl frittierter Teig. Dann sind wir gestärkt für eine nicht zu lange Etappe, aber es geht wieder in die Berge.

Das Seitental, in das wir einbiegen ist sehr idyllisch, malerische Landschaft mit kleinen rechteckigen Höfen mit Lehmmauern. Die Gebäude sehen sehr gemütlich aus, in den Höfen blühen herbstliche Astern und vor fast jedem haus gibt es einen schönen Wintergarten.

Gemütlich führt die Straße nach oben und gegen Mittag erreichen wir dann den kleinen Ort Qutan. Entgegen meinen Befürchtungen gibt es sogar zwei Herbergen, wir steigen in der hinteren am Ortsausgang ab, ein großer garten mit Restaurant und kleinen gemütlichen kombinierten Ess und Schlafzimmern mit beheizbarem Kang. Allerdings gibt es keine Möglichkeit sich zu waschen oder zu duschen, aber wir sind ja in Randtibet und da ist das nicht ganz so wichtig.

In dem kleinen Ausflugslokal arbeitet noch eine kleine Touristikfirma. Die beiden Mitarbeiterinnen haben im Moment nicht so viel zu tun und begleiten uns deshalb in Kloster auf der anderen Seite des Dorfes. Die Anlage ist weniger tibetisch geprägt, sondern in der Mingdynastie vor 700 Jahren nach Beijinger Vorbild errichtet worden. Lediglich die vier weißen Stupa und die wenigen Mönche in ihrer tiefroten Robe verraten die Lage hier in Qinghai.

Das Kloster ist nicht renoviert und trotzdem in wundervoll gutem Zustand, vor allem die Aufgänge zum hinteren Tempel beherbergen wunderbare Fresken zur Geschichte des Buddhismus. 700 Jahre alt und kaum verblasst, erzählen die Bilder die Geschichte des Buddhas von der Geburt bis zum Eingang ins Nirwana. Eine gute Stunde staunen wir durch den Tempel, dann geht es zurück ins Dorf und mit einem Taxi zu einem weiteren Tempel etwas 10 km in den Bergen. Dieser tibetisch-buddhistische Schrein scheint jedoch wie ausgestorben, alle Türen sind verriegelt und kein Mönch und Mensch ist weit und breit zu sehen. Wir wandern noch ein wenig durchs Dorf, wo die Bauern mit der Kartoffelernte oder mit dem Verstauen des Strohs beschäftigt sind. Auf einem kleinen Feld arbeitet eine Frau mit der Sichel und schneidet Hafer. Obwohl wir hier mitten in China sind, ist eine Verständigung kaum möglich, kaum jemand der älteren Leute spricht überhaupt Chinesisch, nur mit den Kindern kann man ein paar Worte wechseln.

Aber auch Qinghai-Chinesisch ist schwer zu verstehen. Zurück in Qutan suche ich den Hof einer Familie auf, wo ich vor zwei Jahren Fotos gemacht habe. Die Bäuerin erkennt mich sofort und ist hocherfreut, dass ich nach so langer Zeit tatsächlich wieder vorbeikomme und Bilder mitbringe. Die Tochter, die damals gerade geheiratet hatte, hat jetzt seit einem Monat ein Baby und auch der Sohn hat inzwischen geheiratet. Wir dürfen bei einer Tasse Tee und Mondkeksen einen Blick in das Hochzeitsalbum mit den hochkitschigen Fotos werfen. Bilder im Brautkleid oder als „alte“ Chinesen in Seidenkleidern und auch eine Serie im Mao-Look. Dazu blödsinnige englische pseudoromantische Texte, aber doch irgendwie schön; da bekomme ich fast Lust, doch noch einmal zu heiraten.

Abends gibt es wieder eine schöne Mahlzeit mit Gemüse und Lammfleisch und dann wird es draußen so kalt, dass man kaum noch rausgehen mag. Wir bekommen noch eine elektrische Heizdecke und dann können wir es uns im Schlafsack kuschelig gemütlich machen, morgen wird es wohl wieder ein wenig anstrengenden, ein weiterer Pass liegt vor uns.