Berge, Brücken, Wasser
Radtour im Südwesten Chinas, Guangxi und Guizhou-Provinz, 18.10.2008 bis 10.11.2008
Eigentlich hatten Andreas, Otto und ich nach Tibet gewollt, aber wegen der Unruhen im Frühsommer und der unklaren Situation während der Olympiade, haben wir uns dann doch entschieden umzuplanen.
Von allem sollte etwas dabei sein für die beiden China-Neulinge Andreas und Otto, aber eine typische Rundreise sollte es auch nicht werden, wir wollten auch ein paar schöne Ecken und Enden der chinesischen Welt abseits der ausgetretenen Bustouristenpfade beradeln.
Der Südwesten Chinas, mit den Mittelgebirgen in Guangxi und Guizhou bot sich hier recht schnell, wo uns grandiose Landschaften, abgelegene Bergdörfer, imposante Reisterassenfelder, viele Minoritäten mit bunten Trachten, Wind und Regenbrücken und vor allem aber, wenig Tourismus erwarteten.
Zum Schluss wollten wir dann noch zu den Kegelkarstformationen am Li Fluss bei Guilin und Yangshuo und uns von den Radfahrtagen im Backpackerparadies erholen.
1000 Kilometer legten wir dann in knapp drei Wochen zurück, bei leichtem Regen, mittlerem Regen, schweren Regen, mystischem Nebel und sogar zwei Sonnentagen, auf guten Straßen und kleinen Wegen, durch große Städte und winzige Dörfer, in denen wir die ersten Fahrradtouristen und die entsprechende Attraktion waren. Gegessen haben wir alles, was bei drei nicht auf den Bäumen verschwunden war und vor allem haben wir uns weder durchs Wetter und so manchem anstrengenden Berg die gute Laune nicht verderben lassen.
Weil’s so schön war wollen die Beiden im nächsten Jahr wieder mit mir los, dann nach Tibet, aber bis dahin bleibt erst einmal noch genug Zeit, die Erlebnisse dieser Reise aufzuarbeiten.
Teil I: Wieder einmal Beijing
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich in die chinesische Hauptstadt komme, nicht nur weil ich fast zwei Jahre hier gelebt habe, sondern auch um die atemberaubend schnellen Umbrüche zu verfolgen. Trotz aller Modernisierung und Entwicklung wird Beijing niemals die hypermodernen Metropole werden, sondern man hat immer noch die kleinen Straßen und Gässchen, gleich irgendwo hinter einem gigantischen Einkaufszentren oder Glaspaläste, in denen das Leben hauptsächlich auf der Straße gelebt wird.
Nach unserer Ankunft am neuen Terminal 3, einer neuen riesigen Abfertigungshalle, einer riesigen Muschel aus Stahl und Glas gleichend, die schwerelos über dem geschäftigen Treiben des Flughafens hängt, sind die Formalitäten rasch erledigt und sehr schnell spucken die Förderbänder Gepäck und Fahrräder unversehrt aus. Während wir unsere Seesäcke auf dem Wagen verstauen, stürzt sich ein kleiner Cocker-Spaniel auf Ottos Rucksack und zwei Beamte hinterher und fordern Otto auf den Rucksack auszuleeren. Neben Sudoku-Heftchen und dem Fotoapparat kommt dann eine schöne orange deutsche Karotte zum Vorschein: Einfuhr verboten! Möhre konfisziert! Gute Reise! Wir stehen noch eine Weile fassungslos da, bevor wir darüber lachen können, dass die Drogentölen hier auch auf Karotin abgerichtet werden.
Wir wohnen im Zentrum der Stadt in einem kleinen Hotel inmitten kleiner Strassen und Gässchen mit traditionellen chinesischen Wohnhöfen und so werfen wir einfach nur unser Gepäck ab und erkunden die Umgebung zu Fuß. Das Leben spielt hier auf der Straße, ������������������������berall sitzen alte Männer uns spielen chinesisches Schach oder rauchen. An jeder ecken steht ein kleiner Wage oder Fahrradkarren und verkauft etwas.
Wir erklimmen den Trommelturm, von dem früher die Zeit getrommelt wurde, und haben ein grandioses Panorama ������������������������������������������������ber die Stadt. Das alte Beijing, innerhalb des U-Bahnrings und der ehemaligen Stadtmauer, hat kaum hohe Gebäude, an eine Tradition anknüpfend, dass kein Haus in der Stadt höher als die kaiserlichen Gemäuer sein darf. Erst hinter dem Gewusel aus kleinen Stra������en, Wohnvierteln, Gärten und Palästen beginnt die Glasfront der Hochhäuser, die sich in konzentrischen Ringen, getrennt durch fünf Autobahnen um das Herz der Stadt ziehen.
Wir ziehen weiter durch die Stadt in Richtung Hou-Hai, hinterer See, dort gibt es unzählige Restaurants und Bars und wir haben langsam Hunger auf unser erstes chinesisches Mahl. Der duft in den Straßen von den kleinen Imbissbuden, Grillständen und angebotener Leckereien ist verlockend. Und dann kommt ein appetitlicher Gestank dazu, Chou-Doufu, fermentierter gerösteter Tofu, in kleinen Dosen und mit Chili nicht nur genießbar, sondern auch lecker, aber man sollt davon absehen das zeug im eigenen Kühlschrank aufzubewahren, denn der Geruch des „Stinke-Tofus��� hält fast ewig.
In einer Nebenstraße ein kleines Hunan-Restaurant, das hei��������������������������������������������������������t bäuerliche einfache, gut schmeckende, aber sehr scharfe Gerichte, mein Favorit: „Tigerhautchilis“- Chilischoten in Soja mit schwarzen Bohnen, scharf angebraten.
Leicht müde nach dem langen Flug zelebrieren wir noch Ottos Geburtstag und versuchen dann genügend Schlaf für den nächsten langen Tag zu tanken, nicht ohne noch die Chinesen beim Federballspielen oder abendlichen Gruppentanzen auf der Straße beobachtet zu haben.
Am nächsten Morgen fahren wir zum Tiantan, dem Himmelstempel, mit seinem doppelt geschwungenen Runddach das Wahrzeichen Beijings in einem großen Park mit einem rechteckigen Grundriss mit einer gerundeten Nordseite, der Kreis über dem Quadrat, der Himmel über der Erde, die Einheit von Beiden.
Ich liebe diesen Park nicht nur wegen seiner Tempel, sonder vor allem wegen des Lebens auf den Vorpl��tzen. Alle Pekinger erhalten ermäßigten Eintritt in den öffentlichen Parks und der Tiantan erfreut sich wegen seiner Größe, wegen seiner zentralen Lage und der mit hunderten von alten Pinien bestandenen Parkflächen gro��er Beliebtheit, vor allem bei den älteren Leuten, die sich hier zum Häkeln, Schwatzen, Karten spielen, Singen, Tanzen, Einzel Tai-chi, Gruppen-Tai-chi, Softball spielen und um Touristen zu beobachten, treffen.
Während die Gruppen aus den gro��en Bussen hier so schnell wie möglich vorbei geschleust werden, mischen wir uns unter die Einheimischen, Andreas nimmt eine halbe Stunde unterricht bei einer Dame im Tai-chi-Ball spielen, wo es darum geht miteinander zu spielen und nicht gegeneinander, der Ball wird nicht gefangen sondern gef��hrt und die aufgefangene Energie auf einer Kreisbahn wieder zurück geführt, sieht bei den Damen im Park leicht und easy aus, ist aber gar nicht so einfach nach zu machen.
Danach stürzen wir uns ins touristische Gewühl, Ausländer spielen schon gar nicht mehr die größte Rolle, die Chinesen sind reiselustig geworden in den letzten Jahren und pilgern nun zu Tausenden täglich hierher und zu den anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dort finden dann digitale Schlachten statt oder werden die Fotohandys gezückt und der Moment des Daseins in einer schönen Pose festgehalten. Vor dem Himmelstempel Fotos alleine oder mit der Familie oder am besten mit gut aussehenden Ausländern (wir!). Große Pose dann auch auf dem Himmelsaltar, der auch als Mittelpunkt der chinesischen Welt gilt und auf den Echosteinen, allerdings wird jeder Versuch eines Einfach, Doppel oder Dreifach-Echos durch das Vorhandensein zu vieler Menschen, die in die Hände klatschend oder rufend auf den Echosteinen herumh����������pfen oder die Echowand anbrüllen.
Gegenüber befindet sich das „Kaufhaus des vollendeten Glücks�����, eigentlich ist es das „Kaufhaus an der roten Brücke“, aber ich habe es umgetauft, da man hier auf fünf Etagen alles bekommt, was das Herz begehrt an Markenware und Pseudomarkenware zum Schleuderpreis bekommen kann: Rolex, Breitling, i-Pods, Handys, Ray Ben Brillen, Gucci, Adidas, Puma, Nike, Levis, Perlen in allen Farben, Türkise, Jade, pseudo-antike Skulpturen, Buddhas, Kalligraphien und Klassenkampf-Poster, Mao-Bibeln in allen Sprachen, Unterhosen, Regenjacken, Taschenlampen, Rollkoffer, Seidenkleider, T-Shirts…….und keiner verlässt das „Kaufhaus des vollendeten Gl��cks“, ohne etwas gekauft zu haben und das Gefühl ein Schnäppchen gemacht zu haben, natürlich auch wir nicht!
Dann wird es höchste Zeit Zum Tian An Men Platz zu kommen, auch hier tummeln sich tausende von chinesischen Touris, zwischen dem Vorderen Tor, dem Mao-Mausoleum und dem Tor des Himmlischen Friedens mit dem Porträt des Gro����en Vorsitzenden. Auch hier werden wieder tausende von Fotos geschossen, und auch diesmal müssen wir wieder und wieder mit jungen und alten, dicken und hübschen Chinesen und Chinesinnen posieren und so langsam bekommen wir Spaß daran.
Andreas und Otto besichtigen noch die Verbotene Stadt und sind beeindruckt, mir bleibt dafür die Zeit für den Buchladen, ich brauche noch ein paar Straßenkarten für die touren im nächsten Jahr und werde f����ndig. Abends geht es dann wieder raus zum Essen, um die ecke gibt es eine Peking-Enten Laden, neben der klassischen Pekingente gibt’s noch ein Gericht mit Entenherzen und Entenzunge. Zum Abschluss dann noch ein Besuch in einer Bar, ich verabschiede mich jedoch recht bald, denn um halb fünf morgens geht unser Taxi zum Flughafen, wo dann der Abenteuerurlaub erst richtig beginnt.
Teil II: „Drachenrücken“ Reisterassen und heiße Quellen
In Guilin gelandet können wir uns der Jacken entledigen, es ist angenehm warm; sie Sonne lacht uns an und Gep��ck und Fahrräder sind wohlbehalten eingetroffen.
In der Vorhalle schrauben wir dann die Sättel und Lenkerboxen an, satteln die Taschen und steigen aufs Rad in Richtung City, die etwa 30 Kilometer entfernt sein dürfte. Neben der Autobahn führt ein schmaler asphaltierten Weg entlang und trennt uns vom Autoverkehr, dafür kommt uns ab und zu eine ���Ameise“ entgegen, eine Art kleiner Traktor mit Ladefläche und drei Rädern. Rechts der Straße liegen Reisfelder und die Ernte scheint schon einige Tage im Gange zu sei, der größte Teil der Flächen ist abgeernteter, auf dem Rest der Flächen tummeln sich manchmal bis zu einem Dutzend Bauern barfuß im Schlamm und schneiden mit Sicheln das Getreide, das dann auf Eseln oder jenen Dreiradkarren abtransportiert wird.
Langsam kommen die ersten Karsthügel in Sicht und wir nähern uns der Stadt. Der Verkehr nimmt zu und wir fahren durch entstehende Plattensiedlungen, die sich mit Lehmhäusern kleiner Dörfer abwechseln. Ein Hotel am Stadtrand ist leicht gefunden, wir machen nicht lange Pause und ziehen mit den Rädern gleich noch einmal ins Zentrum, stoppen aber an einem kleinen Markt und Andreas und Otto bestaunen die Vielfalt der Waren die hier angeboten wird.
Als Besichtigungsprogramm für Guilin habe ich nur den Elefanten-Berg vorgesehen. Unten am Berg tummeln sich viele chinesische Touristen, jeder braucht sein Foto mit dem charakteristischen Berg, der aussieht wie ein Elefant, der zum Trinken hier an den Li-Fluss gekommen ist. Auch einige Minoritäten-Mädchen sind da und man kann sich gegen Bezahlung dann mit den Girls ablichten lassen. Auf den Hügel führen viele Treppenstufen und somit gibt es oben faktisch keine Touris mehr. Die Aussicht über die Stadt k��nnte herrlich sein, wenn es nicht so diesig wäre und so zeichnen sich die Umrisse der zahlreichen Karstkegel und Berge um die Stadt nur als Silhouetten vom Horizont ab.
Eine Straße mit kleinen Restaurants ist schnell gefunden, wir entscheiden uns für ein Grillrestaurant, Huhn, Leber, Fisch und Gemüse ist schnell bestellt, schnell gegrillt und noch schneller gegessen. Zurück geht es über eine gigantische Einkaufmeile mit hell erleuchteten Kaufhäusern und hunderten von Leuten auf der Straße, ein bisschen wie Weihnachten auf der Friedrichstraße, nur viel wärmer. Für Otto finden wir gleich im nächsten „Kaufhaus der mittleren Glücks“ eine Sonnenbrille und eine Radhose und damit kann es am nächsten Tagh richtig losgehen.
Am nächsten Morgen geht es bei leichtem Nieselregen los, auf dem Weg aus der Stadt finden wir eine kleine Nudelstube mit regem Andrang. Reisnudeln mit etwas Fleisch und Gemüse sind dann die Grundlage für unseren ersten Radtag.
Bald schon haben wir den stressigen Großstadtverkehr hinter uns gelassen und radeln die Landstraße vorbei an kleinen Städtchen und vielen Reisfeldern. Auf kleinen Hügeln liegen Teeplantagen und eigentlich wollten wir nur auf eine Tasse Tee absteigen, aber kaum habe ich meine Runde durch den Teegarten absolviert, sind Andreas und Otto schon dabei, die Osmanthus-Blüten Ernte mit den Mädels vom Restaurant vorzunehmen. Die beiden sitzen im Baum und schlagen mit langen Stangen die kleinen duftenden Blüten von den Ästen, die die Mädchen unten von den ausgelegten Planen sammeln und sortieren. Osmanthus oder Zimtblüte gibt es hier jede Menge, Guilin bedeutet Osmanthus-Wald und die Blüten werden als Aroma grünem Tee beigemengt oder wandern als Kräuter in die Apotheken. Nach unserer guten Tat für heute wiederholen wir die Nudelmahlzeit und schlendern über den Markt eines kleinen Städtchens. Welcher Unterschied zu Beijing, hauptsächlich frisches Gemüse wird angeboten und große Stücken Fleisch liegen auf den Holztischen vor den Schlachtern. Von Kaufhäusern keine Spur und auch keine Supermärkte, aber die kleinen L������������den an der Hauptstraße sind auch gut bestückt und vor dem Laden stapeln sich T��������pfe, Eimer, Wannen, Kochgeschirr und daneben darf ein Handy-Shop nicht fehlen.
Am Nachmittag gehrt es dann in die Berge und wir strampeln auf der alten Straße unseren ersten Pass hinauf, leichter Niesel macht das Fahren sehr angenehm. Ringsherum zunehmend dichte Bambuswälder, die sich nur manchmal öffnen, um den Blick über ein Tal mit terrassierten Reisfeldern frei zu geben. Ab und zu an der Straße ein Sägewerk mit großen Stapeln Bambus davor, der hier dann gleich an Ort und Stelle geschält, geschnitten in dünne streifen zerlegt und zu Bastmatten geflochten wird.
Wieder erwarten geht es dann nach einem zweiten kleinen Pass noch einen Dritten hinauf. Wieder zurück auf der neuen Stra��e lässt er sich zwar gut fahren, zieht sich aber in die Länge und unsere mittägliche Nudelsuppe liegt auch schon eine Weile zur��ck. Zum Gl��ck gibt es oben einen kleinen Laden und wir kaufen dessen Keksvorräte auf und vernichten sie an Ort und Stelle. Da es bald dunkel wird machen wir uns schnell an die Abfahrt und biegen dann von der Huaptstraße ab in Richtung Reisterrassen und beschließen die erstbeste Übernachtung anzusteuern. Im Dunkeln geht es dann noch ein paar Hügel hoch und runter und in einer Kurve liegt ein wunderschönes Restaurant und Guesthouse, das ganze Gebäude aus neu und aus Holz und die Dielen knarren beim Eintreten. Wir sind die einzigen Gäste und die Zimmer sind ok, nachdem die Wirtin die M����usekrümel hinaus gefegt hat. In der Küche wird gerade das Huhn geschlachtet, das wir bestellt haben und die Dusche auf dem Flur funktioniert auch.
Am nächsten Morgen fahren wir dann durch idyllische kleine Dörfer tief unten in einem weiten Tal. Hier leben kaum ethnische Chinesen, sondern das bunte Völkchen der Zhuang Minorität. Links und rechts geht es in hunderten von Reisterrassenstufen hoch in die Berge des Mittelgebirges und es scheint so, dass die Terrassenstufen bis zum obersten Gipfel führen.
Erst einmal führt unsere Straße mehr als 400 Höhenmeter in engen Serpentinen nach oben. In den Kurven wird der Blick frei über das weite Tal, in dem der Dunst nach dem nächtlichen Regen gespensterhaft aufsteigt. Oben dann ein weiteres Zhuang Dorf, touristisch erschlossen und so werden dann hier ein paar Dutzend Busladungen, hauptsächlich Chinesen, für drei Stunden ausgeschüttet. In den letzten Jahren wurde viel investiert und die weiß-gefliesten Zweckbauten der Chinesen sind wieder verschwunden und es darf nur in traditioneller Holzbauweise gebaut werden. Das wird dann auch ganz tüchtig getan und eine ganze Reihe neuer Gebäude, meist Restaurants oder Guesthouses sind entstanden. Wir steigen zu Fu�� hinauf zu den Aussichtspunkten ganz oben 800 oder 900 Meter über der Talsohle, von unten bis oben ziehen sich ununterbrochen die Stufen der Reisfelder, an einigen Stellen bis zu ein Tausend, so dass das ganze Tal, das ganze Gebiet eigentlich nur aus den schmalen B����ndern der Reisfelder und den wenigen kleinen Dörfern besteht. Und tatsächlich einige Hügelketten sehen aus wie der geschuppte Rücken eines riesigen Reptils und so hat die Landschaft hier den Namen „Drachenrücken“ bekommen. Die einzelnen Aussichtspunkte haben verschieden Namen, der touristischste Punkt heißt „Sieben Sterne und der Halbmond“, denn es gibt sieben kleine Hügel und einen größeren, die hier in den Bändern der Reisfelder die Landschaft prägen. Die „Neun Drachen���-Aussicht ist noch spektakulärer und dazu noch touristenfrei und wohl auch nach der Anzahl der Hügelketten benannt. Hier oben beginnt dann schon das Gebiet einer weiteren Minorität, den Zhuang. Für diese typisch sind die bis zum Boden reichenden Haare, die nur einmal oder zweimal im Leben geschnitten werden und auch der abgeschnittenen Zopf wird wieder in den großen Knoten am Kopf kunstvoll eingewickelt. Der dritte Zopf, der ebenfalls wieder eingeflochten wird, besteht aus den ausgefallenen Haaren, die sorgsam gesammelt werden.
Wir steigen wieder hinunter zu unseren Rädern, rasen unsreren morgendlichen Anstieg wieder ins Tal hinunter und folgen dem Fluss tiefer in die Berge. Nach Auskunft eines Chinesen sollte nicht mehr bergauf gehen, tut es aber und am Ende ist es sogar mehr als am heutigen Vormittagund es regnet auch ab und zu. Oben erreichen wir dann das Zhuang-Dorf Jin Kang. Auch hier gibt es einige ��bernachtungsmöglichkeiten und so beschlie��en wir zu bleiben, zumal das Wetter auch nicht zu einer abendlichen Fahrt einl��dt. Außerdem ergibt sich dann auch die Chance für unsere heutige gute Tat, die letzten zwei Kilometer bis ins Dorf nehmen wir jeder auf dem Gepäckträger eine von den Zhuang-Frauen mit bis ins Dorf, alle hatten ihren Spaß, vor allem die Nachbarn im Dorf bogen sich vor Lachen. Das Guesthouse ist einfach und sauber und auf dem Flur gibt es eine warme Dusche. Am Abend bleibt noch ein Spaziergang durchs Dorf, vorbei an den alten Holzh��usern, an einigen Neubauten im gleichen Stil und den vielen Baustellen. Man rechnet hier in den nächsten Jahren auch mit viel mehr Tourismus und auch hier soll die Aussicht über Reisfelder, Täler und D��rfer spektakul��������������r sein, wir beschlie��en dann am nächsten Morgen bei versprochenem schönem Wetter noch einmal nach oben zu steigen. Am Abend gibt es dann lokale Leckereien mit Mais und am besten schmeckt das Gericht mit den kleinen Fr��schen, gut durchgebraten, so dass man sogar die kleinen Knochen mit knuspern kann.
Es regnet am Morgen in Str��men, trotzdem wagen wir uns an den Aufstieg zu einer der Aussichtsplattformen, die wir dann auch nach einer guten Stunde erreichen. Zu sehen ist nicht viel, es regnet immer noch und dichte Nebel wälzen sich durch die Täler und geben nur ab und zu einen mystischen Blick auf die Terrassen frei.
Bei einer Tasse Tee wärmen wir uns auf und dann heißt es Abschied nehmen von den Zhuang-Dörfern und den imposanten Reisfeldlandschaften. F��r mich ist der Abschied nur temporär, denn, wenn alles klappt komme ich hier im April mit meiner österreichischen Gruppe und dann sollten alle Reisfelder in frischem Grün der gerade verpflanzten Schösslinge leuchten.
Immer noch nieselt es und die Kälte zieht durch alle Ritzen unter die Kleidung. Kilometerlang geht es abw��rts und die Finger sind ganz starr und steif. Berghoch war es erheblich angenehmer und wärmer beim Treten. Erst nach einer Stunde, als wir 500 Höhenmeter nach unten gerollt sind wird es langsam wärmer, auch weil sich die Regenwolken ein wenig verzogen haben, wenigstens für ein Weilchen.
Gegen Mittag kommen wir in die Stadt Longsheng und finden an der Hauptstraße ein nettes Lokal, winzig klein ist es, aber die K��chin zaubert aus den frischen Zutaten ein leckeres mahl in mehreren Gängen, Tofu, Schweinefleisch und Gemüse. Danach sind wir satt, warm und wieder trocken und machen uns auf den weg zu den heißen Quellen.
Gleich am Ortsausgang beginnt die Bausstelle und wieder der Nieselregen. Der Boden ist gut durchweicht und überall gibt es große Pfützen. An jeder Kurve tiefe Schlamm-Spurrillen und nicht nur wir sehen nach einigen Kilometer gut schlammbespritzt aus, sondern auch die Kleinbusse und die wenigen Autos, die sich über die Pise wagen. Wenigstens geht es flach am Fluss entlang, aber es ist trotzdem anstrengend und für die wunderschönen Dörfer am Straßenrand und auf der anderen Seite des Flusses haben wir kaum Augen. Und außerdem müssen wir morgen über die Dreckspiste wieder zurück.
Gegen 18 Uhr sind wir an den heißen Quellen. Oben, direkt an der Quelle gibt es zwei teure Hotels, unten, direkt an der Restaurantzeile liegen die Zimmerpreise bei angenehmen 15 €. Und was es in den Restaurants nicht alles gibt, neben der riesigen Gemüseauslage Käfige und Schüsseln mit lebendem Getier: Schlangen, H����hner, Fische und eine Art Kuschelratte mit Plüschfell, weiter Muscheln und Frösche, sowie Larven von Bienen oder Wespen, aber auch frisches Fleisch vom Hirsch und Hasen.
Mit der Plüschratte haben wir Mitleid, aber der Hirschgulasch ist lecker, ebenso wie die großen Flussmuscheln und der Salat aus Wildkräutern. Nach dem Essen sind wir müde und haben keine Lust mehr aufs Bad in den Quellen, welches wir dann auf den nächsten Vormittag verschieben.Dafür wird es dann auch ganz toll, gegen 8 Uhr morgens ist kaum etwas los und wir haben das gute Dutzend an Becken mit Thermalwasser der verschiedensten Temperaturen fast für uns alleine. Bei einem Kaffee im heißen Wasser oder einer Doktorfischmassage l����sst sich ganz vergessen, dass wir heute noch die Schlammpiste wieder zurück müssen. Nach dem ausgiebigen Bad essen wir noch eine gute Mahlzeit in einem der Restaurants an der Straße und dann geht es durch den Schlamm zurück nach Longsheng. Obwohl es nicht ganz so schlammig ist wie am Vortag bleiben wir noch in der Stadt und sehen uns ein paar Baskettballspiele an. In der großen Sporthalle und davor werden gerade die Provinzmeisterschaften abgehalten und überall ist mächtig was los.
Teil III: Wind-und Regenbrücken in den wilden Bergen
In Longsheng gibt es einen richtigen Bäcker und frischen Kaffee, genau das richtige für Andreas und Otto, ich hole mir eine Schüssel Hundun vom Stand gegenüber, kleine mit Fleisch gefüllte Nudeln in einer Suppe, dann kann es neuen Abenteuern entgegen gehen. In San Jiang, einem St��dtchen, in dem wir dann wieder in die Berge abbiegen treffen wir auf den ersten großen Trommelturm im Zentrum der Stadt, einer Holzkonstruktion, die hier typisch für jedes Dorf der Dong Minorität ist, genauso wie die Wind-und Regen-Brücken, aber dafür müssen wir noch ein gutes Stück fahren. In dem kleinen tal fließt ein schmaler Fluss, der treibt unterschächtige Wasserräder an, die die umliegenden Reisfelder bewässern. Überall auf den Feldern ist gerade die Reisernte im Gange und jeder Halm wird einzeln abgeschnitten und dann werden große Garben zusammen gebunden. Diese werden nicht gedroschen, sondern in den Dachstühlen der H��user aufgehängt und nach Bedarf verarbeitet.
Je weiter wir ins Tal hinaufkommen um so schöner werden die Dörfer, Holzhäuser dominieren und die Frauen laufen in blauen Trachten umher und nicht nur für die Touristen. Endlich erreichen wir Shenyang und die erste Wind-und-Regen-Brücke, eine überdachte Holzbrücke mit f����������nf T����������������rmen, die sich über den Fluss spannt. Hier in Shewnyang steht die größte dieser Brücken, in den Bergen weiter oben hat jedes Dorf davon ein oder zwei und auch zwischen den Dörfern findet man winzige dieser überdachten Br��cken, in die sich bei Wind oder Regen die auf dem feld arbeitenden Bauern auf ein Schw��tzchen zur������������������������ck ziehen können; und das Wetter wechselt hier schnell in den Bergen. Wir übernachten in einer Familienherberge und am nächsten Morgen geht es weiter bergan, in jedem Dorf tolle Holzarchitektur und Brücken und im Zentrum ein Trommelturm, in dem sich die alten Männer zum Rauchen oder Schachspielen treffen. Zwei Tage fahren wir dann auf winzigen Straßen ohne Asphalt, eine Abkürzung erweist sich wieder einmal als steile Kletterei über mehrere Pässe. Dafür ist die Landschaft wunderschön und in den Dörfern werden wir angestaunt wie Außerirdische. Hier ist in den letzten Jahren kein Ausländer mehr vorbei gekommen, dafür genießen wir die grandiosen Ausblicke über die Reisfeldlandschaften. In den kleinen Städtchen finden sich ��berall sauber kleine Herbergen und wir kommen immer abends auch zu einer warmen Dusche. Nach drei Tagen haben wir das Gebiet der Dong hinter uns gelassen und schlagen einen Bogen nach Süden,hier ��bernachten wir in einer kleine Stadt namens Luo Xiang, die unheimlich schmutzig ist und das einzige kleine Hotel ist voll. Uns bleibt nur noch das Badehaus, also der Puff, aber hier lassen sich drei Zimmer für die ganze Nacht anmieten, vom Hauptbussiness des Hauses bekommen wir nicht viel mit. Am nächsten Morgen kommen wir wieder an den großen Fluss zurück und uns erwartet leider keine schöne Asphaltstra��e, sondern eine gigantische Baustelle mit relativ viel Verkehr und es ist alles andere als Spaß hier zu fahren.
Meine Karte zeigt eine Möglichkeit, im nächsten Ort gibt es eine Fähre und dahinter beginnt 20 Kilometer weiter eine Straße, vielleicht kommt man dort durch. Auf dem Markt essen wir einen frisch gebratenen Fisch, den wir an einem Stand kaufen und am nächsten braten lassen, auch die Zutaten für einen großen Salat besorgen wir an verschiedenen Ständen und schnipseln dann selbst. Die vermutete Straße gibt es wirklich, sie ist allerdings nicht asphaltiert und geht natürlich auch wieder über einen hohen Pass. Die F��hre bringt uns ans andere Ufer und dann geht es 12 % eine lehmige Piste nach oben, vielleicht 600 Höhenmeter, dann haben wir den ersten Pass nach zwei Stunden erreicht und holpern auf der Straße durch winzige D����rfer.Die Leute arebeiten in aller Ruhe auf den Feldern, hier und da sieht man Bäuerinnen ein Schwätzchen halten, Stress und Hektik gibt es hier nicht, aber natürlich ist auch alles sehr armselig. Im Dorf gibt es ein paar Mopeds, einen Traktor und einen winzigen Laden, das wars. Aber die reisfelder werden hier zwei Mal bestellt und werfen gute Erträge ab, so dass niemand hungern muss. Abends erreichen wir wieder ein winziges Städtchen über eine Hängebrücke, in dem es nur eine winzige Herberge und am Markt nur drei oder vier Nudelstuben und ein Restaurant gibt, dafür beginnt hier wieder der Asphalt.
Teil IV: Hundefleisch und Kegelkarst
Nach den Tagen in den Bergen ist es wieder schön auf einer großen asphaltierten Straße zu fahren, die Kilometer fliegen nur so dahin und man kann die Gedanken gleiten lassen und selbst die mitunter kräftigen Hügel geht es schnell hoch und noch schneller wieder runter. Da Nian ist ein Kreisstadt, die eigentlich nichts besonderes hat, doch nach den Tagen in den kleinen Dörfern ist es schön, wieder einmal über eine abends hell erleuchtete Ladenstraße zu schlendern. Hier der schewinbare Überfluss an Handy, Computern, Markenware und Nichtmarkenware , sowie der die hektisch umhereilenden Menschen und noch gestern im Dorf geruhsame Sparsamkeit, eher armselige Kleidungsst����cke auf den Kindern und kaum Fahrzeuge auf den Straßen. Otto und Andreas nehmen die Herausforderung an, ein Hunderestaurant mit Feuertopf. Nach einer halben Stunde steht vor uns ein großer dampfender Topf mit einem guten kilo Hundefleisch in Gulaschform und das ist sehr lecker.Wie Hund schmeckt? Schwer zu sagen, man sollte es auf einer Reise ins Land einfach einmal ausprobieren. In Rongan haben wir dann einen Ruhetag und wir pilgern durch die belebten Straßen sdes kleinen Städtchens. hinter der Stadt gibt es ein kleines buddhistisches Kloster auf einem H������gel. Das Kloster ist eher unspektakulär, aber die Aussicht grandios, weite Flusslandschaften, viele Reis- und Gemüsefelder, und steile grüne Hügel am Horizont, die Vorboten der berühmten Karstlandschaft um Guilin und Yangshuo.Wir genie��en das Wenigtun und am nächsten Morgen geht es bei Regen in die ersten Karsthügel, richtig kalt wird es und wir sind froh, dass wir uns auf dem Markt eines kleinen Dorfes um ein kleines Herdfeuerchen setzen können. Eine Reismahlzeit mit Gemüse und ein wenig Fleisch sorgt für Stärkung und das Feuer w��rmt Füße und Körper und trocknet die Klamotten.Auf demWeg nach Guilin liegt eine kleine Höhle mit einer bekannten Kalligraphie des Zeichens „Shou“-langes Leben, das besondere an dieser Kalligraphie ist, dass sich noch einmal 100 kleine „Shou“ Schritzeichen darin verstecken und so hei����t der Ort auch „Bai Shou“-hundert Mal langes Leben. Die halbe Grotte mit dem Schriftzeichen ist nicht besonders spektakulär, interessanter ist das kleine Städtchen selbst, denn zum Stadttor führt eine Straße in der regelmäßig chinesische Filme gedreht werden, denn hier l������sst sich alles ohne große Probleme auf Qing-Dynastie oder Republikzeit trimmen, schöne alte H��user, schlechtes Pflaster, schiefergedeckte Dächer und ein schönes altes Stadttor. Und auch die Leute in der Straße sind auch ein wenig altmodiscgher gekleidet, so scheint es mir zumindest.
Wir klettern noch einmal über kleine Hügel und befinden uns dann inmitten der Karstkegel, ich habe noch einmal ein wenig umgeplant, wir fahren heut noch einmal zurück nach Guilin, denn dort liegen im Restgepäck noch Bremsbeläge und die müssen an die Räder, während der nassen Tage in den Bergen auf schlechten Stra��en, hatten wir mächtig viel Abrieb. Die Strecke von Guilin nach Yangshuo ist an einem Tag zu schaffen, man kann sich aber auch Zeit lassen, denn hier gibt es die steilsten und schönsten Karstformationen. Große grüne Hügel und ganze schroffe Bergketten machen hier die Landschaft am Li-Fluss aus. Bilder von dieser Landschaft hängen in jedem schlechten China-Restaurant in Deutschland, das chinesische Wort für Landschaft heißt Shan-shui, was soviel wie Bergund Wasser bedeutet und ist wohl ohne Zweifel hier in der Region gepr����gt worden. In Xingping einem Ort direkt am Li-Fluss hat uns der Regen wieder eingeholt und der Tourismus, viele der Schiffe von Yangshuo oder Guilin halten hier und die Touristen w��lzen sich zu Fototermienen an Land undauf ein kleines Mahl in die Restaurants, nur die wenigsten bleiben über Nacht. Das eigentliche Touristenzentrum jedoch ist Yangshuo, vor 15 Jahren war ich das erste Mal hier und zu dieser Zeit gabe es gerade eine Hand voll Backpackerkneipen und billige Hotels. Heute ist die ganze Stadt voll auf Tourismus eingestellt, ein ganzes Viertel lebt nur von Herbergen und Restaurants und mehrere Dutzend Schiffe liegen auf dem Fluss. 200 Ausflugsdampfer bringen täglich Gäste aus Guilin hierher, die übernachten dann im Ort und fahren am nächsten Tag in Bussen wieder zurück.
Trotz des Massenbetriebes ist die Landschaftt ringsherum immer noch sehenswert, auch wir machen unseren Ausflug zum Mondsichelberg und besuchen eine der riesigen Tropfsteinhöhlen. Nur meinen Geheimtip gibt es nicht mehr, vom Hügel mit dem Sendemast hatte man eine hervorragende Aussicht nach allen Seiten, doch der H��gel ist jetzt mit Stacheldraht und Beton rundum gesichert. Wir schlendern ausfühlich durchs kleine St��dtchen und probieren alles Essbare und davon gibt es Unmengen. Die frischen Grillstände in der Stra��e vor unserem Hotel laden zu Tofu, Gem����������se, Pilzen, Schwein, Rind, Lamm, Spatzen und Seafood ein. Auf den Märkten wird Hundefleisch angeboten und Sprzilrestaurants bieten auch Schlange an, Frösche werden lebend im 500 g Netz angeboten und zählen schon gar nicht mehr als exotische Besonderheit.
Mit etwas Mühe gelingt es mit ein Boot zu finden, das uns zurück nach Guilin bringt, leider ist das Wetter nicht so toll, als wir noch einmal den Li-Fluss entlang schippern, doch auch bei m��ßigem Wetter bieten sich grandiose Ausblicke. Die letzten Kilometer in die Stadt fahren wir noch mit dem Rad und schaffen damit dann auch die 1000 Kilometer.�� Wir genie��������en die Fahrt mit dem Rad in der Stadt und den letzten Abend in Guilin, denn die drei Wochen hier im Süden sind wie im Fluge vergangen und morgen sind wir schon wieder auf dem Weg nach Hause, aber der Abschied von China ist nicht dauerhaft, denn ich bin im Winter wieder zurück und Andreas und Otto wollen im nächsten Jahr auch wieder mit mir fahren.

