8. Tag: Mittwoch, der 24. Dezember 2014

Donnerstag, den 25. Dezember 2014

Happy Christmess auf der Polizeistation

Mopedausflug mit Hindernissen in die Trockenen Halongbucht, 40 km, bei etwas trüben 23 Grad

Unten auf der Straße ertönt eine Endlosschleife „Dschingle Bells“ und erinnert auch hier daran, das heute Weihnachten ist, ansonsten ist das Land nur spärlich dekoriert, für die Vietnamesen ist heute normaler Arbeitstag und morgen und übermorgen auch.

Nach dem Frühstück probieren wir die Mopeds aus und stürzen uns auf die Straße, erst einmal zur Tankstelle und dann auf einen der Karsthügel mit einem kleinen Tempel, von dem Pavillon auf halber Höhe hat man bei schönem Wetter eine grandiose Sicht, heute aber bekommt man gerade mal einen Überblick über die Landschaft.

Dann geht es zum Hoa Lu Tempel, um den Tempel befand sich vor 1100 Jahren die Hauptstadt der Dinh Dynastie. Von der ist nicht mehr viel übrig als ein einziger alter Tempel zwischen den Reisfeldern. In den letzten Jahren hat man noch einen großen Platz für Festivals und ein paar steinerne Bögen hinzugefügt, um den Touristen, die allesamt hierher gekarrt werden, etwas zu bieten. Dieses Jahr jedoch ist der Tempel unter Renovierung, das merkt man aber erst nachdem man den Eintritt bezahlt hat. Die Tore werden von Grund auf renoviert, das heißt abgerissen und neu gemacht, über dem Tempel wurde ein Blechdach errichtet und im Haupttempel ist alles mit Holzverschlägen gesichert und der Rest mit Folie umwickelt. Also weiter zum nächten Tempel.

Das ist der Bai Dinh Tempel, noch einmal 10 Kilometer entfernt, der ist aber nicht historisch, sondern wurde als größter Tempel in Südostasien komplett neu errichtet. Ich kenne ihn in allen Baustufen, aber seit einem Jahr ist er mehr oder weniger fertig, bis auf eine 13 stöckige Pagode. Die Mopeds muss man auf einem Parkplatz etwas abseits parken, dann wird man mit einem Elektrokarren zum Tempel gefahren.

Und hier passiert das Unglück. Beim Aussteigen lasse ich meine Lenkerbox in dem kleinen Karren stehen, da ich die Kamera herausgenommen und umhängen hatte. Das bemerke ich aber erst 20 Minuten später. Ich lasse Helma, Thomas, Christian und Michael den Tempel weiter besichtigen und mache mich auf die Suche, ohne Erfolg, obwohl ich überall mehrfach nachfrage. Glücklicherweise ist der Pass im Hotel, aber 10.Millionen Vietnamdong ist für einen Vietnamesen hier mehr als ein fettes Weihnachtsgeschenk, nämlich ein Halbjahreseinkommen. Ich mache mir eher Sorgen wegen der Tasche, die brauche ich dringend am Lenker für die Kamera und den Kleinkram und Ortlieb hat hier im Lande keine Vertretung. Und so mache ich mir dann kaum Hoffnungen. Nach der Rückkehr in die „Talstation“ gebe ich aber noch nicht auf, der Fahrleiter der Elektrokarren ruft dann sogar die Polizei an, die könne helfen. Das glauben wir kaum, aber nach einer Nudelsuppe und einem Kaffee, kommt die Meldung, die Tasche sei gefunden worden.

Ich werde dann in die Polizeistation gefahren und tatsächlich, die Tasche ist wieder da, total verschlammt und nass und das Geld ist natürlich weg, aber wenigsten werde ich die Reise mit meiner Lenkerbox fortsetzen können, für die wäre in Vietnam auch nur schwer Ersatz zu finden gewesen. Doch die Polizei lässt mich noch nicht gehen, da sich Helma die Nummer des Fahrzeuges gemerkt hatte und der Fahrer des Wagens Nummer 9 konnte zwei Männer identifizieren, die in dem Gelände als Fotografen arbeite und die Tasche aus dem karren genommen hatten. Gegen 16 Uhr kommt der Polizist strahlend ins Büro und knallt ein dickes Geldbündel auf den Tisch, 11 Millionen VND und 110 Dollar. Das hatte ich nun nicht erwartet. Es wird ein Verlust und ein Übergabeprotokoll gemacht und dann kann ich wieder zur Gruppe zurück. Den „Genossen“ von der Polizei hinterlasse ich eine Million und wünsche „Frohe Weihnachten“, lediglich für die beiden Fotografen, die die Tasche genommen, geleert und entsorgt hatten dürfte der Heiligabend nicht so erfreulich sein.

Leider müssen wir aus Zeitgründen nun die Bootsfahrt streichen, das ist nicht ganz so tragisch, denn bei dem trüben Wetter wäre nicht so viel zu sehen gewesen und so wollen wir noch ein paar kleine Wege zur Stadt zurück erkunden. Doch dann das zweite Ereignis des Tages, Michels Moped tuckert zwar noch fröhlich, bleibt aber mit Kupplungsschaden liegen. Wir müssen auf Hilfe vom Hotel warten, zum Glück gibt es ein Lokal, wo wir uns die Zeit vertreiben. nach einer Stunde, es ist inzwischen dunkel, erscheint dann der „Mechaniker“, der kann auch nichts machen. ich muss dann das kaputte Moped fahren und er schiebt dieses mit gestrecktem Bein von seinem Moped zurück in die Stadt. das geht entgegen aller Erwartungen ganz gut, aber es ist wohl für ihn, als auch für mich recht anstrengend.

Den Abend verbringe ich damit die Polsterungen meiner Lenkerbox zu trockenen, da muss morgen die Kamera wieder rein, deshalb komme ich auch nicht dazu gemütlich meine Weihnachtsmail zu schreiben. das Abendessen reißt dann alles wieder raus. Die „Mutti“ in einem kleinen offenen Lokal kocht noch besser als der laden vom Vortag und so bekommen wir vorzügliches Rind, vorzügliche Ziege, bestes Hühnchen und schön knoblauchlastiges  Gemüse. danach gibt es noch ein Extrabier auf den Heiligabend und dann ziehen wir uns zum Skypen oder telefonieren ins Zimmer zurück.

Frohe Weihnachten auch nach Deutschland, wir werden wohl die nächsten zwei oder drei Tage kein Internet haben, die Bilder vom heutigen Tag reiche ich natürlich nach, wenn wir wieder Netzanbindung haben!

 

 

7. Tag: Dienstag, der 23. Dezember 2014

Donnerstag, den 25. Dezember 2014

Sonnenschein im Karstgebiet

103 Kilometer von Kim Boi nach Ninh Binh, auf kleinen und ruhigen Straßen durch wunderschöne Landschaft, 300 Höhenmeter bei Sonne bis 22 Grad und leichtem Gegenwind

Oi troi oi, sagt der Vietnamese als Ausdruck des Erstaunens, verdammt frisch am Morgen ist es, wohl gerade einmal 8 oder 9 Grad, doch die Sonne bohrt schon wieder ihre Strahlen durch den morgendlichen Dunst, als wir um 8 Uhr ungefrühstückt auf die Räder steigen. Das ist kein Problem, denn nach 12 Kilometern kommt schon ein kleines Städtchen und wir bekommen dort eine hervorragende Nudelsuppe. Danach ist dann fast schon T-Shirtwetter und es geht durch traumhafte Landschaften. Ringsum überall Reisfelder und Karstkegel. natürlich verrate ich meinen Teilnehmern nicht, dass es im Sommer noch schöner ist, wenn die Reisfelder alle in sattem Grün leuchten, dafür steigt dann aber auch das Thermometer bis auf 40 Grad. Da ist uns glaube ich, dieses optimale Radlerwetter lieber!

Auf den Feldern beginnen schon langsam die ersten Arbeiten, ab und zu sehen wir einen Bauern mit Traktor oder Wasserbüffel, der die schlammigen Flächen umpflügt, etwas später dann sehen wir die Frauen, die die Vorasaatfelder bearbeiten. Auf kleinen Felderchen werden Reiskörner dicht an dicht ausgesät und in zwei oder drei Wochen dann auf die Felder vereinzelt. Hier im Norden kommt über die Vorsaatflächen dann eine Plastikhaube, damit die kleinen Pflänzchen es schön warm haben.

Die gegend um Ninh Binh wird auch die „Trockenen Halong Bucht genannt“, ganz so trocken ist sie auch nicht, denn es gibt überall Seen und Flüsse, auf einem planen wir morgen eine Bootsfahrt und die vielen Reisfelder machen auch keinen trockenen Eindruck. Über zwei Pontonbrücken gelangen wir in das Gebiet und dann geht es auf einer schmalen Straße durch die rechts und links steil aufragenden Berge. in den letzten Jahren hat sich auch viel verändert. Viele Häuser wurden gebaut und auch große und schöne Häuser. Früher gab es hier nur winzige Häuser, manchmal führte nur ein schmaler Damm durchs Reisfeld zu einer schmalen Hütte am Fuße eine Karstkegels und um die Hütte standen ein paar Papaya Bäume und ein paar Palmen, die Leute lebten faktisch wie auf einer Insel. Die kleinen Wege waren verschlungen und führten in abgelegen Dörfer und nicht wieder hinaus. Heute hat man eine größere und schnelle Straße durch die Landschaft gezimmert, leider ist damit viel von der Romantik verloren gegangen, aber für die Bustouristen ist es einfacher geworden. Aber nach 8 oder 9 Touren hier durch die Region kann ich immer noch ein paar schöne Nebenstrecken finden.

Langsam sinkt die Sonne tiefer und wir nähern uns Ninh Binh, einer größeren Stadt mit 150.000 Einwohnern. Im Hotel werden wir freundlich empfangen, aber ich kenne die Familie auch schon seit meiner ersten Vietnam Reise.

Den Abend verbringen wir in einem netten Lokal mit lokalen Spezialitäten, von Schlange Aa und Schildkröte lassen wir die Finger, aber die Ziege mit Sternfrucht, grüner Banane und Kräutern, die in Reispapier gewickelt wird ist lecker, ebenso wie der gebratenen Fisch und das Rindfleisch, genau das was man nach einem langen Radfahrtag braucht.

 

6. Tag: Freitag, der 14. Februar 2014

Freitag, den 14. Februar 2014

„Hoppe, hoppe Reiter………“

55 km mit dem Moped durch die Karstformationen um Ninh Binh: Hoa Lu Shrine, Bai Dinh Tempel und Bootsfahrt in Tam Coc, Versenkung eines Mopeds im Wassergraben und Happy End im Restaurant mit gegrillter Ziege, bei maximal 17 Grad, Wolken und fast einem halben Sonnenstrahl

Heute schlafen wir ein wenig länger, es ist ja schließlich Ruhetag, um 8 Uhr geht es zum Frühstück und um 9 Uhr probieren wir die Mopeds. Nachdem Hajo jahrelang und ich 12 Monate keine Moped mehr gefahren sind, fühlt sich alles etwas wackelig an, doch mit der Automatik-Honda ist alles kein Problem. Was der Vietnamese kann, das können wir auch!

So geht es dann erst einmal zur Tankstelle, wo wir für 50.000 VND zwei Liter Benzin fassen und dann können wir in die Landschaft abbiegen. Zuerst steuern wir einen kleinen Tempel an, der auf einem Karstfelsen liegt. Von der Pagode auf halber Höhe hat man eine gute Sicht über die Landschaft: Reisfelder, Dörfer, viel Wasser und Karstkegel. Wer die Gegend hier trockenen Halong Bucht genannt hat war vermutlich ein Alkoholiker auf Entzug. Zugegeben, das Meer liegt 60 Kilometer weg, aber Wasser gibt es mehr als genug.

Unser nächster Stopp ist dann der Hoa Lu Schrein, ein Tempel, der früher das zentrum einer alten Königsstadt war. Von der Stadt ist bis auf demn Tempel nichts mehr zu ahnen und bis vor wenigen Jahren , war auch dieser schwer zu finden, aber die Tourismusindustrie hat rundeherum alles geebnet und alles Reisebus gerecht gestaltet. Deshalb schlagen nicht nur alle Ausländer auf, sondern auch die Vietnamesen gleich in ganzen Schulklassen. Der Tempel ist eher klein und dunkel und nach 10 Minuten ist man einmal durch die Ahnenkammer gestiegen, viel witziger sind die vielen Schüler, die alle mit den Langnasen Fotos machen wollen, wir tun ihnen gerne den Gefallen und sind damit auf 245 verschiedenen Handyfotos verewigt.

Dann geht es weiter durch die Karstfelsen zum Bai Dinh Tempel. Dieser Komplex ist erst in den letzten 10 Jahren entstanden und ist der größte buddhistische Tempel in Südostasien, der mit drei großen Tempelgebäuden an einem Berghang liegt und fast 2 Quadratkilometer umfasst. Eine riesige Pagode befindet sich noch im Rohbau. Hier sind wir auch wieder mit hunderten von Vietnamesen unterwegs, Ausländer finden kaum den Weg hierher. Wir wandeln den Wandelgang entlang, vorbei an 300 Heiligen in Stein und erfreuen uns an der Vielfalt der Gesten der heiligen Männer und Frauen, von denen es eine Hand voll gibt.

In den Hallen warten ein riesige 1000 armige Guanyin in Bronze, in der letzten gibt es die drei Buddhas der Zeitalter und in der mittleren Halle meditiert ein riesiger Shakiamuni. Zwischen den Tempeln befindet sich eine ansehnliche Parkanlage und wir sind hier knapp zwei Stunden beschäftigt. Inzwischen darf man den Tempel nur noch mit einer Art Shuttlebus befahren, man hat etwas außerhalb eine Parkplatzanlage errichtet und muss dann dort umsteigen, um zum eigentlichen Eingang zu kommen.

Etwas hungrig nach den vielen Tempeln und Buddhas suchen wir uns einen Stand mit einer Nudelsuppe und jagen auf unseren Mopeds weiter durchs Karstgebiet. 12 Kilometer weg liegt an einem kleine Fluss der Ort Tam Coc, dort steigen wir auf ein kleines Boot um und lassen uns durch eine Schlucht rudern, so wie auch die anderen Touristen. Eigentlich wollten wir alle auf ein Boot, so wie die Vietnamesen, aber es dürfen immer nur zwei Ausländer in einen Kahn, während sich die Vietnamesen dort mitunter zu fünft vergnügen.

Der Fluss schlängelt sich mit Dutzenden Booten drauf durch ein enges Tal, trotzdem sind links und rechts noch Reisfelder, dann geht es drei Mal durch ein Felsentor in das nächste Tal und das alles auf dem Boot. Die Fahrt ist trotz des Massenansturms von Touristen immer wieder ein Erlebnis. Besonders interessant ist, dass hier mit den Füßen gerudert wird. Das heißt, die Bootsfahrer sitzen recht bequem und haben die Füße an den Paddeln und es sieht ein wenig aus wie Radfahren, ich habe es vor drei Jahren mal probiert, aber keinen Erfolg mit der Technik.

Inzwischen ist es schon wieder recht kühl geworden und wir machen uns deshalb auf den Rückweg. Wir überlegen noch kurz, ob wir noch einen weiteren Berg mit einer Pagode und schöner Aussicht besteigen wollen, entschließen uns dann aber, doch nur ein paar Fotos mit uns auf den Mopeds vor schöner Kulisse zu machen. Schließlich wollen die Frauen auch einmal vietnamesisches Fahrgefühl haben. Und da passiert es: Antje steigt auf das Moped fährt auf dem schmalen Weg 50 Meter und will dann drehen, unterschätzt aber den Wendekreis und die Leichtgängigkeit des Gases und Schwupp, landet sie mitsamt Moped im Wassergraben. Der Schreck steht ihr ins Gesicht geschrieben. Wir ziehen zuerst Antje und dann mit viel Mühe das Moped aus dem Schlamm. Zu meinem Erstaunen springt das Teil sogar wieder an. Noch eine gute Viertelstunde läuft dann Wasser aus dem Auspuff und wir tuckern zurück nach Ninh Binh zum Guesthouse.

Nach einer heißen Dusche ziehen wir dann in die Stadt zum Abendessen. Reispapierrollen mit Sternfrucht, grünen Bananen, Kräutern und gegrillter Ziege sind hier eine lokale Spezialität. Dazu essen wir noch einen leckeren Fisch und Aal und schließen damit wieder einen tollen Tag mit finalem Schockelement ab.

5. Tag: Donnerstag, der 13. Februar 2014

Donnerstag, den 13. Februar 2014

Verluste im Kegelkarst

110 Kilometer vom V-Ressort nach Ninh Binh, knappe 300 hm, wunderschöne Karstlandschaften und Verlust der halben Reisegruppe, glückliche Wiedervereinigung bei 16 Grad und Wolken

Der Wetterbericht will immer noch keinen Aufwärtstrend zeigen, was soll’s es regnet nicht mehr wie gestern am späten Abend noch und nach 10 Kilometern auf dem Rad ist man durchgewärmt. Auch wenn das Wetter nicht grandios ist, so ist es doch die Landschaft. Links und rechts der Straße gibt es Reisfelder ohne Ende, die Bauern sind fleißig am werkeln, um die Felder zu bestellen, immer wieder stoppen wir, um ein paar Bilder zu machen. Nicht zu beneiden die Bäuerlein, die manchmal in hohen Gummistiefeln und manchmal barfuß durch den Schlamm der Reisfelder waten.

Etwas weiter weg ragen dann schon schöne Karstfelsen aus der Landschaft, ich war hier mal im Sommer und das war diese Landschaft der Inbegriff von Vietnam, grüne Ebenen von Reis und dahinter die Karstgebirge. Heute ist alles etwas grauer wegen des trüben Tages.

Ein schöner Karstfelsen mit drei schicken Gipfeln wird uns dann zum Verhängnis. Antje und ich waren einen Kilometer voraus und wir wollten ein Bild machen, doch von der Straße aus standen uns immer die Häuser im Bild. Also parken wir die Räder fast mitten auf der Straße, damit Hajo und Gesche sie ja nicht übersehen können, ich erzähle Antje noch von einer Tour vor ein paar Jahren, als wir einen Radler „verloren“, der sein Rad zum Toilettengang mit genommen hatte und wir ihn dann weit vor uns vermuteten.

Nach unserer kleinen Fotosession waren die anderen Beiden aber immer noch nicht da, vielleicht ein Plattfuß oder etwas ähnliches, also radeln wir zurück, fast drei Kilometer, dort wo ich Hajo mit Sicherheit noch das letzte Mal gesehen hatte. Also wieder rumdrehen und weiter fahren, aber auch an der nächsten Kreuzung, der übernächsten und der weiter folgenden keine Spur der beiden Ausreiser und langsam machen wir uns Sorgen. Aus den Vietnamesen am Straßenrand ist nicht viel herauszubekommen. Einer erzählt mir, dass gerade fünf Radler durchgekommen seien, alle anderen nicken natürlich auf meine Suggestivfragen. Einem LKW Fahrer gebe ich einen Zettel mit, dass wir hinten sind und sie doch warten sollen, hoffe der kommt an, war nicht ganz einfach zu erklären, was der Fahrer damit machen soll. Also radeln wir weiter bis zum großen Abzweig und als wir die beiden dort nicht treffen, machen wir uns ernsthaft Sorgen. Das Telefon funktioniert natürlich auch nicht.

Damit sind sie nun richtig weg. Aber Hajo führt ja auch Touren für den ADFC, er hat eine Karte und die Hoteladresse haben die beiden auch, also fahren Antje und ich weiter und haben dann aber kaum noch Augen für die schöne Landschaft. So gegen 14 Uhr kommt dann endlich ein Anruf, die beiden haben den richtigen Weg gefunden und sind 6 km vor uns und 20 Minuten später treffen wir uns dann endlich wieder.

Hajo und Gesche hatten unsere Räder nicht gesehen. Vielleicht hat gerade in dem Augenblich ein Auto davor geparkt. Der gelbe Zettel, den hatten die beiden erhalten, darauf war aber nur irgendein Datum im letzten Jahr notiert und ohne Brille ist Hajo nicht auf die Idee gekommen, die Rückseite mit meiner Notiz zu lesen. Hinterher kann man darüber nur herzlich lachen und erleichtert weiter radeln.

Und auch wieder Augen für die Landschaft entwickeln. Und es wird jetzt auch richtig schön, denn in den letzten Jahren konnte ich hier eine richtig gute Strecke entwickeln, weitab von der Hauptstraße hoppeln wir über Feldwege durch kleine Dörfer, dann über wackelige Pontonbrücken langsam in die „Trockene Halong Bucht“, zwischen den Karstfelsen gibt es nur noch Flussarme und Reisfelder und die letzte gucken uns an, wie Besucher von einem anderen Planeten und in gewissen Sinne sind wir das ja auch. Obgleich unseres außerirdischen Erscheinens kommen wir nicht umhin den Brückenzoll von 5000 VND pro rad zu zahlen, na gut die 25 Cent stecken wir gerne in die Entwicklung der regionalen Wirtschaft. Und wir probieren eine neue meiner gefürchteten „Abkürzungen“, doch diesmal funktioniert es, und wir kommen nach einen gewagten Zickzackkurs über schmale Deiche an Reisfeldern entlang, auch wieder dort raus wo ich hin wollte. Dann sind wir irgendwann auf bekannten Wegen zurück und die Straße führt um die Karsthügel herum. Vorbei an kleinen Häuschen und Entenfarmen nähern wir unserem Ziel Ninh Binh, hier geht es noch einmal auf rechtwinkligen Kurs ums Stadion herum durch enge Gassen und dann stehen wir vor dem Hotel, in gesamter gruppenstärke von vier Leuten. Glücklich am Ziel und immer noch über unseren heutigen Verlust und das Wiederfinden lachend, gönne wir uns ein Schmutzbier, das den Temperaturen entsprechend eher ein Frostbier genannt werden müsste.

Aus diesem Grund verlassen wir dann auch unser Guesthouse nicht mehr und lassen uns dort ordentlich bewirten. Morgen haben wir so eine Art Ruhetag, es gibt aber ein ordentliches Besichtigungsprogramm, zahlreiche Tempel stehen auf dem Programm und wir werden vom Rad aufs Moped umsteigen. Da keiner von uns in den letzten 12 Monaten auf einem motorisierten Kleinrad gesessen hat, wird auch das zum Abenteuer werden; aber wir sind in Vietnam, im Land der Mopeds, da wollen wir auf eine solche Erfahrung nicht verzichten.

9. Tag: Sonntag, der 10. Februar 2013- Tetfest in Vietnam

Sonntag, den 10. Februar 2013

Tetfest- wir „kruzzen“ (we are cruising)

110 km von Ninh Binh nach Sam Son, gewaltige 55 hm durch Reisfelder und kleine Dörfer, Besichtigung der Kathedrale von Phan Thiet und das Chinesische Meer begrüßen bei wolkigen bis 18 Grad, also optimalen Radelwetter

Am Morgen liegt Ruhe über dem Land, oder zumindest fast, denn die Hähne haben ihre Krähorgie auch im neuen Jahr sehr zeitig begonnen. Um Mitternacht hat das neu Jahr nach dem Mondkalender begonnen, das Jahr des Drachen ist nun zu Ende und wir haben den ersten Tag des Schlangenjahres.

Gestern Abend waren die Jugendlichen alle bis spät auf den Straßen und haben sich in den Kaffees getroffen. in Vietnam ist es nicht erlaubt privates Feuerwerk abzuhalten, aber in jeder Stadt gibt es dann um Mitternacht ein öffentliches feuerwerk, doch das war leider von einem Hochhausbau verdeckt, schade. Gegen 8 Uhr bekommen wir dann Frühstück und schaffen es um halb zehn auf die Räder zu kommen. Heute haben wir auch wieder nur Nebenstraßen vor uns und es geht durch mehr als flache Landschaft immer an viel Wasser, Reisfeldern oder Kanälen vorbei und entlang. In Phan Thiet  gibt es ein große katholische Kathedrale. Das Bauwerk sieht von der Ferne aus wie ein Tempel hat aber schwere fast gotische Portale. leider kommen wir nur in den Park, die Kirche an sich ist geschlossen und Besucher gibt es heute auch nicht so viele. Ebenso wird es schwierig etwas zu essen zu finden, aber dann gibt es doch noch ein Lokal in dem wir eine Nudelsuppe bekommen können. Noch einmal sehen wir schöne Karsthügel. Anfangs geht es auf den Straßen sehr ruhig zu, dann ist aber das Volk erwacht und heute ist Neujahr und damit Tetfest und eigentlich sollten die Familien zu Hause feiern, aber die Jugendlichen zieht es hinaus Freunde zu besuchen und nun sind wirklich alle mit dem Moped unterwegs. Und alle fahren an uns heran und rufen und ein „Happy New Year“ oder zumindest ein „Hallo“ zu, manche versuchen sich mit einer erweiterten Konversation mit Namen und Herkunft und manchmal haben wir mehrere Kilometer Begleitung. Eigentlich wollte ich einen Bogen übers Land schlagen und dann ein paar Kilometer der 1A Straße folgen, aber ich habe dann wieder einmal eine Idee für eine meiner berüchtigten Abkürzungen, das Resultat war wie üblich: Wir haben unser Weg über kleine Wege, noch kleiner Wege und einen Deich gefunden, immer sehr schöne Strecke, aber leider gab es keine Fähre über den Fluss und so war die Abkürzung 5 Kilometer länger als der ursprüngliche Weg. Die Strecke kommt aber trotzdem ins nächste Programm, da eben die Hauptstraße vermieden wird. Gegen 17.30 rollen wir dann in Sam Son ein und nach 110 km taucht dann das Meer auf. Wir schieben die Räder an den Strand und haben sofort eine vietnamesische Truppe um uns, die sich mit uns fotografieren möchte, für uns ein herzliches Willkommen am Meer, das wir heute schon einige Male gerochen hatten und nun können wir die Fußzehen in den Ozean tauchen. Das heute keine Badetemperaturen herrschen ist nicht weiter tragisch, wir werden im Süden das Meer noch mehrfach sehen und die dortigen Temperaturen von über 30 Grad werden uns fast zu einem Bad in den kühlen Wellen nötigen.

Der Empfang im kleinen Hotel ist herzlich, schließlich ist Tetfest und so müssen wir erst einmal zwei Bier trinken und Kekse essen, dann bekommen wir auch noch vom Hausherren ein kleines Geldgeschenk und von dessen Vater auch noch. Wir rechnen kurz hoch und wenn wir noch drei Stunden weiter trinken, dann haben wir das Geld für die Zimmer wieder rein. Aber wir verabschieden uns dann höflich unter die Dusche und unternehmen noch eine kleine Runde am Strand entlang. Wir enden in einem kleinen Imbiss mit Bun, kleinen gebratenen Bouletten, und Reisteigrollen, dazu süß-säuerlich eingelegter Rettich, keine schlechte Kombination. Auf dem Rückweg kommen wir dann ungeschoren an der Hotelbesitzerfamilie vorbei und müssen nicht mehr weiter trinken, denn morgen wartet ein weiterer Radeltag auf uns und wir hoffen morgen Abend dann auch endlich erstmals auf den Ho Chi Minh Pfad zu stoßen.