52. Tag: Mittwoch, der 19. September 2012

Sonntag, den 23. September 2012

Tage in Beijing I

Besichtigungsprogramm in Beijing mit Himmelstempel, Kaufhaus der Großen Glücks, Platz des Himmlischen Friedens, Trommelturm und Hutong

Nun also der Ausklang in Beijing. Ich bin immer wieder gern hier, schließlich habe ich mehr als ein Jahr hier gelebt und kenne die Stadt recht gut. Allerdings gehe ich trotzdem immer mit dem Stadtplan los, denn wie das ganze Land, ist auch die Hauptstadt ständiger Veränderung unterworfen.

Wir haben uns heute noch einmal aufs Rad geschwungen und erobern die Stadt auf zwei Rädern. Im Vergleich zu anderen Metropolen lässt es sich hier sehr gut radeln, überall gibt es mehr oder weniger gut ausgebaute Radspuren und der Verkehr läuft zwar manchmal etwas disziplinlos, aber wesentlich langsamer als in Berlin.

Gewöhnen muss man sich vor allem daran, dass Autofahrer gnadenlos rechts abbiegen (dürfen), egal ob die Ampel rot oder grün ist. Dabei herrscht das Prinzip des Stärkeren. Als Wolfgang einem solchen Abbieger einen Klaps aufs Autodach versetzt, ist dieser ziemlich ungehalten und beendet sogar sein Telefonat, um wild zu gestikulieren. Womit der aber nicht gerechnet hat ist, ich kann auf richtig niedrigem Niveau zurück schimpfen, zur Freude einiger umstehender Chinesen, die grinsend beipflichten, während der Fahrer erbleicht und nach Worten ringt. Ich glaube zwar nicht, dass dies wesentlich zur Verkehrserziehung beiträgt, aber der eigene Frust lässt sich dabei hervorragend abbauen und das ist doch schon einmal was.

So erreichen wir den Tian Tan Tempel, dieser ist mit seinem runden blauen Dach das Wahrzeichen der Stadt und meine Lieblingssehenswürdigkeit. Vor allem wegen des Drumherums. In dem Park vor dem Tempel treffen sich nämlich die Rentner der Stadt zum Stricken, Häkeln, Tanzen, Sport treiben, Karten spielen, Dating und was weiß ich nicht alles. Und das ist wie immer sehr interessant anzusehen. Vor allem erstaunt, wie fit die Leute sind, an Kraftsportgeräten sieht man gestählte Körper, 65 Jahre alt, perfekt ausgebaute Muskulatur und kein Gramm Fett, die machen olympiareife Darbietungen am Reck und dazwischen Yoga. Spagat ist dabei nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt der Übungen!

Interessant ist schon die Struktur der Tempelanlage, ein Kreis über einem Quadrat, der Himmel über der Erde, die Symbolik für das alte chinesische Weltbild.

Der schönste Tempel ist die Halle des Erntedanks, eben jener große runde dreistufige Tempel mit dem blauen Dach. Auf gewaltigen Säulen ruhend wurde der Tempel um 1420 vom Yongle Kaiser errichtet und natürlich später noch ein paar Male umgestaltet. Mit vielen Chinesen lassen wir uns natürlich auch hier wieder ablichten.

Vom akkustischen Effekt des zweiten Tempels, der von einem Echowall umgeben ist, lässt sich natürlich bei den Touristen nichts wahrnehmen. Wenn man auf der einen Seite gegen die Wand flüstert, soll man es auf der anderen Seite hören können. Das probieren die Chinesen natürlich zu Dutzenden gleichzeitig aus und der Effekt ist ähnlich. Wenn man auf der einen Seite gegen die Wand schreit, kann man es natürlich 50 Meter weiter auf der anderen Seite auch hören, es hat aber mit dem Echo-Effekt nix mehr zu tun.

Letzter Höhepunkt im Himmelstempel ist der Mittelpunkt der Erde. Der Mittelstein des Opferaltars ist deshalb bei den Chinesen besonders beliebt für ein Foto. Auch wir stellen uns an und machen uns einen Spaß daraus, einmal der Mittelpunkt der Welt zu sein. Wer sich fragt, wo denn der gegenüberliegende Mittelpunkt der Erde liegt, der bekommt hier die Antwort: In einer kleinen Stadt in Sachsen namens Pausa! Da guckt nämlich auf dem Bahnhofsvorplatz ein Teil der Erdachse aus dem Boden.

Nach einem Gourmetkaffee vor dem Großen Kaufhaus des Glücks, so habe ich den Hong Qiao Markt getauft, toben wir durch die vier Etagen. Hier gibt es alles zu kaufen, was man nur kopieren kann. Von der Unterhose bis zum i-Pad, vom Turnschuh bis zum Laserpointer, lediglich die Perlen in der Schmuckabteilung sollen echt sein, aber das kann ich nicht einschätzen. Aber das Kaufhaus ist ein Erlebnis, auch wenn ich nur mit einem Ersatz meiner zerbrochenen Sonnenbrille wieder herauskomme. Handeln ist natürlich ein MUSS und der Preis lässt sich mitunter um 70 Prozent herunterhandeln.

Auf dem Rückweg drehen wir dann unsere Runde mit dem Rad über den Platz des Himmlischen Friedens. Zum ersten Male will man uns nicht mit den Rädern unters Mao Porträt lassen, aber die Polizei lässt sich beschwatzen und ein Polizist höchstselbst macht unsere glorreichen Bilder! Gemütlich radeln wir dann um die Verbotene Stadt herum, am Kohlehügel und dem Beihai vorbei und dann durch die Hotongs, die alten Stadtviertel von Beijing, bis wir schließlich am Trommelturm ankommen. Viertel vor Fünf gibt es hier eine Vorführung auf den 18 großen Trommeln, die dauert zwar nur fünf Minuten, aber das kleine Konzert ist beeindruckend und immer wieder zu empfehlen.

Abends genießen wir dann eine scharfe Spezialität aus Sichuan, den Feuertopf. Wir sitzen schwitzend in dem engen Lokal über der scharfen Brühe und werfen viel Gemüse und Fleisch in den Topf, das Prinzip ist ähnlich wie beim Fondue. Die Einlagen garen in der superscharfen Brühe und werden mit einem Sesamdip gegessen. Weil es so schön scharf und heiß ist, braucht man dazu Unmengen kalten Biers.

90. Tag in Hanoi-Sonntag, der 25.07.10

Sonntag, den 25. Juli 2010

Abstecher nach Beijing II- Himmelstempel und Kaufhaus des großen Glücks

Was soll man in Beijing, einer Stadt, die für mehrere Tage ein komplettes Programm bietet, an nur einem Tag unternehmen. Vielleicht den Kaiserpalast besichtigen, aber den mag ich selbst nicht, die Anlage ist zu groß und zu trocken und außer im hinteren Teil, gibt es kein grünes Fleckchen und für meinen fast fünfjährigen Peter dürfte es zu langweilig sein. Die Große Mauer kostet mindestens einen ganzen tag und man bekommt auf die schnelle nur die Billigangebote mit Touristenabzocke nach Badaling.

Bleibt also nur der Himmelstempel, die große Zeremonie und Opferanlage im Süden des Zentrums. Dieser große und mit hunderten von Pinie bestandene Anlage beherbergt nicht nur den schönsten Tempel der Stadt, eben den Himmelstempel, mit seinem charakteristischen blauen Runddach auch das Wahrzeichen der Stadt, sondern die Grünanlagen ziehen die Hauptstädter an, um hier gesellig zu chillen.

Der Grundriss des Parks gleicht einem Quadrat mit einem aufgesetzten Halbkreis, der Himmel über der Erde, Symbol des Macht- und Kräfteverhältnisses im traditionellen alten China.

Doch das interessanteste am Park sind die Chinesen, die hierher kommen, um sich gesellig zu treffen. An Wochentagen treffen sich die Rentner, um Sport zu treiben, Tai Chi Ball zu spielen, Karten zu zocken oder auf eine Party chinesischen Schachs gegeneinander antreten. Am Wochenende kommen die berufstätigen Hauptstädter dazu und überall plärrt aus Lautsprechern Rumba, Samba und Walzer und es wird getanzt, was das Zeug hält. Unter den Pinien profilieren sich Hobbysänger bei Arien aus der Beijingoper und das alles für ein bisschen Spaß und ohne Geld, nicht nur vergnüglich anzusehen für die hunderte von Touristen, die durch die Tempel und Gartenanlage strömen.

Um die Tempel wimmelt es nur so von inländischen Touris und es werden täglich dutzende von Terrabytes an Fotos verschossen und auch ich kann nicht widerstehen, bei den vielen schönen Szenen.

Also pilgern wir gemütlich durch die Anlage und besichtigen den Himmelstempel und schlagen uns zum Mittelpunkt der Erde durch. Auf einem neunstufigen Opferaltar befindet sich in der Mitte eine Runde Steinplatte und hier lag das Zentrum zumindest der chinesischen Welt.

Gleich am östlichen Ausgang befindet sich der Hong Qiao Markt, eins der größten Kaufhäuser der Stadt, das ich als Kaufhaus zum Großen glück bezeichne, denn hier gibt es wirklich alles und zwar billig. Eigentlich als Laden für Schmuck und Perlen konzipieret werden in den unteren Etagen nur gefakte Waren angeboten. Über Rolex Uhren staunt man als weit gereister Tourist nicht mehr, aber hier findet man alle Namen und marken in guten Kopien, ebenso Sonnenbrillen von Ray Ben und Oakley für drei bis vier Euro, i-pods und i-phones werden hier zu Schleuderpreisen verhökert. In der ersten Etage gibt es dann Klamotten für jung und alt, Schuhe von Addidas und Nike, Samsonite Koffer und Handtaschen von D&C und Gucci. Für Peter war das Nebengebäude interessant, eine regelrechte Kinderwelt und ich bestaune auch so manches tolle technische Spielgerät.

Auch wir bekommen alles was wir suchen, und auch ich rüste auf, eine weiter Speicherkarte, UV-Filter für die Kamera, eine neue Computermaus und einen einfachen Fotoapparat für Peter zum Geburtstag. Darüber freut er sich riesig, hat er sich doch in den letzten Wochen schon als guter Fotograf bewährt.

Dann geht es zurück zum Hotel und ich begleite meine Familie zum Flughafen und dann heißt es endgültig Abschied von Peter. Der zwerg ist jetzt nocvh zwei Monate in der Mongolei, bevor er wieder in Berlin eintrudelt und ich werde ihn wohl erst Anfang des nächsten Jahres wieder sehen, vielleicht aber auch noch einmal vorher kurz im November.

Den Abend beschließe ich dann an einem Lammspieß Grillstand mit viel Fleisch und kaltem Beijinger Bier.