29. Tag: Sonntag, der 23. Oktober 2011

Sonntag, den 23. Oktober 2011

Lanzhou von oben und von unten-das Ende einer Reise

Ruhe und Besichtigungstag in Lanzhou, trüb, dann sonnig bei 18 Grad, knappe 12 Kilometer zu Fuß durch die Stadt und zur Weißen Pagode

Noch einmal stehen wir zeitig auf, denn der Baulärm weckt uns schon gegen halb acht und das frühstück ist auch eher mies. Was für ein garnduios schlechtes Hotel und ich habe es auch noch selbst ausgesucht! Das ist in China schon beachtlich, dass sich der Zustand von Hotels über ein oder zwei Jahre rapide verändern kann, meist aber nicht zum guten. Auf der anderen Seite gab es aber auch schon positive Überraschungen, wenn das hotel zum Beispiel aufwändig saniert wird, aber im nächsten Jahr werden wir auf alle Fälle wechseln. Heute lohnt sich das nicht mehr, denn morgen ganz zeitig sitzen wir schon im Bus zum Flughafen und gestern Abend hatte auch niemand mehr Lust auf einen Wechsel.

Zuerst fahren wir mit dem Taxi zum Gelben Fluss, hier gibt es ein kleines Monument, dass sich die “Mutter des Gelben Flusses” nennt. Der Sandsteinklotz, der eine Mutter mit ihrem Kind darstellt und die bedeutung des gelben Flusses für die Entwicklung der chinesischen Kultur und Geschichte aufzeigen soll, ist weder besonder schön, noch alt. Aber es zieht viele lanzhouer und lokale touristen an und so kann man hier wunderbar Chinesen beim Chinesen Fotgrafieren fotografieren oder einfach nur beobachten. Von hier aus wandertt es sich schön am Fluss entlang und es gibt einen schmalen Park, in dem die Städeter ihre Hunde spazieren führen oder Sport treiben. Heute können wir einer ziemlich guten Taichi Vorführung beiwohnen. Ein vielleicht 60 Jähriger zeigt für uns auf Wunsch noch einmal die Vorstellung vom Betrunkenen Schwerttmeister. Die dem imaginären Trunk folgenden Schwankungen sind choreographisch gewollt und diese Schwerttfolge ist eine der schwierigsten Taichi-Übungen. Das sehen viele der chinesischen Passanten auch so und der Meister muss nun auf Druck der Zuschauer ein drittes Mal antreten. Vielleicht gelingt es mir sogar die Sequenz bei u-tube einzubinden, aber dazu muss ich erst einmal meine Kinder zu Hause befragen, wie man so etwas macht.

Mir der Seilbahn geht es dann über den Fluss nach oben in die Berge auf der gegenüber liegenden seite. Hier befindet sich ein Park mit einer schönen alten Pagode aus der Yuan Dynastie, leider wird auch hier gebaut, so dass wir nicht gemütlich im Teehaus sitzend die Perspektive der ganzen Stadt genießen können. Das geht erst von einem kleine Pavillion, vor dem uns die gesamte Stadt zu Füßen liegt.

Unter uns fließt recht schnell strömend der Gelbe Fluss vorbei, der, hier gerade ins Lösland eintauchend schon beginnt seine typische erdige Farbe anzunehmen. Vor zwei Tagen war der Fluss noch fast rein und klar, schnitt sich aber dann sein Bett durch gelben Lössand aus der Wüste Gobi sich in dieser Region mit einer Dicke von mehreren hundert Metern ablagerte in einem Gebiet, welches sich von hier fast bis Beijing hinzieht. Das schlammfarbene Gewässer ist die Wiege der chinesischen Zivilisation, aus kleinen prähistorischen Siedlungen am Leben spendenden Fluss entwickelten sich Großreiche und über Jahhundert die höchstentwickelte Kultur der Welt. Lanzhou bildete dabei eine wichtige Grenze zwischen dem chinesischen Kernland und verschiedenen Reichen im Westen des Landes. Um die Stadt, als Einfallstor und wichtiger Posten an der Seidenstraße zu schützen, wurde die Chinesische mauer weiter augebaut und bis Yumen weiter geführt. Nach dem Zuzsammenbruch der Han-Dynastie war Lanzhou sogar zeitweise Hauptstadt der Frühen Liang im 4. Jahrhundert.

Historie findet man jedoch im Stadtzentrum kaum, deshalb wurde auf der anderen Flussseite unter der weißen Pagode Geschichte wieder neu konstruiert und es sind einige protzige Tempel entstanden um Touristen und Tagesasuflüghler anzulocken.

Am Nachmittag sind wir dann wieder “unten” in der Stadt und schlendern über die Zhangye Straße, wo man Kaufhäuser und Markenläden aller Art findet. Jedoch kaum ein vernünftiges Restaurant, die befinden sich alle in den Seitenstraßen etwas weiter weg.

Dafür kann man aber Kaffees und Bäckereien finden, in denen Schwarzwäder Kirschtorte nicht unbekannt ist. Wir tätigen unser letzten Einkäufe und laufen dann die gesamte Strecke zum Hotel zurück. Hier heißt es dann packen, denn morgen um halb sechs in der Frühe kommt unser Taxi und fährt uns zum Flughafen.

Als dann alles im Koffer verstaut ist gehen wir dann zu unserem letzten gemeinsamen Abendessen und essen uns noch einml quer durch die besten Gerichte, die wir in den letzten Wochen kennen gelernt haben und damit ist dann diese Reise auch fast beendet, viele Erinnerungen und ein paar kleine Geschenke treten morgen den Weg nach Deutschland an und eine große Kollektion toller Bilder.

Im nächsten Jahr zur gleichen Zeit ist es dann wieder soweit und es besteht für alle meibne leser die Möglichkeit, nicht nur hier im Blog dabei zu sein, wenn wir uns wieder auf den Weg am Rande des tibetischen Hochlandes machen.

 

 

25. Tag: Mittwoch, der 19. Oktober 2011

Mittwoch, den 19. Oktober 2011

Pilgerleben II

Noch ein Ruhetag in Xiahe und noch einmal ein ruhiger Rundgang durchs Labrang Kloster, Besteigung der Hügel rund ums Kloster, meditativer ruhiger Tag bei trüben 14 Grad und nachmittags Regen

Es scheint, dass die Pilger sehr wetterabhängig ihre runden drehen, gestern war es mehr als belebt auf dem Rundgang und heute ist fast nix los. Die Sonne hat sich hinter dichten grauen Wolken versteckt und ab und zu nieselt es. Der Wetterbericht für Lanzhou stimmt mich nicht sonderlich optimistisch.

Zum Fotografieren der Gesichter ist es heute jedoch optimal, die starke Hochgebirgssonne kann keine dunklen schwarzen Schatten werfen, dafür muss man halt die ISO-Zahl etwas hochschrauben.

Zum Frühstück kehren wir in einem typischen Backpackerladen ein und dort gibt es natürlich dann auch Bananapancake und Yoghurt mit Früchten, der Lhasa Kaffee stellt sich dann als ein eher indisches Teegetränk heraus, trotzdem aber lecker.

Von den Hügel rund um das Kloster hat man eine hervorragende Sicht über das ganze Tal. Zwischen den Tempeln liegen, in gleichmäßige Quadrate aufgeteilt, die Wohnhöfe der Mönche. Die goldenen Dächer glänzen heute nicht im gleißenden Sonnenschein, sondern passen sich der herbstlichen Landschaft rundherum an.

 

Hinter dem Tempel liegt ein Kloster für die Novizen, hier sind sogar lange haare erlaubt, die die jungen Mönche zu einem Zopf geflochten und unter einem Tuch verdeckt um den Kopf gerollt haben. Es läuft gerade eine zeremonie für eine Pilgergruppe und nur mit Mühe dürfen wir in einer Ecke Platz nehmen und den Singsang beobachten. Danach, die Prozession ist nicht nicht zu Ende, werden wir recht mürrisch und unhöflich nach draußen gekehrt.

Hinter dem letzten Tenpel gibt es nichts Städtisches mehr, müde Hunde bewachen die festungsgleichen Höfe, an einigen Häusern wird noch gewerkelt, um einen Wassergraben oder eine Wand vor dem Winter fertig zu stellen. Ganz hinten im Dorf stehen zwei Yakkälbchen auf einer trockenen Weide, die beiden Tiere sind noch nicht mal eine Woche alt und haben keinerlei Angst und scheu vor der Welt und mir.

Auf dem Rückweg begegenen wir noch dem ein oder anderen Pilger, ich will eine frau befragen, wieviel Zeit sie für die Hardcore- Umrundung des Klosters benötigt, aber sie lacht mich nur an und versteht kein Wort Chinesisch, schade. Aber sie posiert gerne fürs Foto, es ist die Dame mit den “Holzschuhen” an den Händen. Als wir wieder weg sind wirft sie sich wieder der länge nach hin, spricht ein kurzes Gebet, steht auf und wirft sich wieder hin. Ich versuche nachzurechnen, also die Frau ist 1, 70m groß und schafft zwei Körperlängen pro Minute, der Rundweg beträgt 6 Kilometer plus zwei Kilometer für die Umrundungen der inneren Tempel, dabei kommt sie auf 4705 Niederwefungen, wofür sie dann fast 40 Stunden effektiv und ohne Pause unterwegs ist. Wenn sie jeden Tag also 10 Stunden ihren Weg fortsetzt, ist sie also 4 Tage für eine Runde unterwegs…..danach ist der Geist definitiv von jeglichem bösen Gedanken befreit.

 

Zurück in der Stadt treffen wir auf zwei deutsche Radler aus Hamburg. Johanna und Andreas sind seit März unterwegs und haben als “Wessis” natürlich die südliche Route gewählt. Mit massiv viel Gepäck haben sie sich durch die Türkei und Kirgsien bis nach China durchgestrampelt und wollen weiter nach Süden und dann nach Vietnam. Viel Glück und viel Spaß, ihr Abenteuer ist nachzulesen auf: www.cycle-the-world.de

Wir starten dann morgen auf unsere letzten drei tage in Richtung Lanzhou und kehren Tibet und den tempel und den Tankhas den Rücken, wieder geht es vor allem durch moslemisches Hui- Land und dann bald nach Hause, für meine Truppe ist es ein “Schon”, für mich nach mehr als 6 Monaten ein “Endlich”.

24. Tag: Dienstag, der 18. Oktober 2011

Dienstag, den 18. Oktober 2011

Pilgerleben I

Ruhetag in Xiahe und Besichtigung des Labuleng Klosters, ein Runde im Strom der Pilger an den langen Reihen der Gebetsmühlen entlang

Xiahe ist kein zu große Städtchen, ca. 100.000 Menschen wohnen hier. Als wir gestern von Osten eingefahren sind, haben wir zuerst den chinesischen teil der Stadt durchquert, hier tobt der Bauboom, zahlreiche Hochhäuser entstehen und die Stadt gleicht allen anderen chinesischen Boomkreisstädten. Im alten zentrum finden sich dann ein paar moderne Hotels und geschäftsbauten, aber schon in der zweiten Reihe dominieren die tibetischen Häuser und am westlichen Ende befindet sich dann das Labulen Kloster oder auf Tibetisch auch Labrang Kloster. Traurige Berühmtheit hat es 2008 im März erlangt, als hier nach ersten Ausschreitungen Proteste ausbrachen, inzwischen ist aber wieder Ruhe eingekehrt ins Alltagsleben der Stadt und seiner zahlreichen Pilger.

Das Labrang Kloster ist eines der sechs großen Klöster der gelmützen Sekte, gegeründer von Tsongkhapa, dessen Führungsfigur der Dalai Lama ist. gegeründet im Jahre 1709 beherbergte das Kloster Anfang des 20. Jahrhundert 2000 Mönche und war eine der größten tantrischen Universitäten des Reiches. Inzwischen gibt es wieder fast 1000 Mönche, die den großen Komplex bewirtschaften und mehrere zehntausend Pilger aus allen Teilen des landes finden sich ein.

Am Morgen hatten wir ein weißes Wunder erlebt, es schneite, als ich um 7 Uhr einen verschlafenen Blick aus dem Fenster warf. Jegliches hat seinen Sinn, dachte ich bei mir, denn eigentlich hätten wir heute über den letzten 3000er Pass klettern müssen, was uns aber erspart blieb, da wir ja gestern im Grasland keine Herberge gefunden haben. Nach dem lausigen Frühstück im Hotel kommt dann aber langsam die Sonne heraus und wir spazieren die 2 Kilometer westlich bis zum Kloster. Es ist noch ein wenig früh und so ziehen noch nicht zu viele Pilger ihre Kreise. Außen um den Komplex befindet sich ein vielleicht 5 oder sechs Kilometer langer Barkhor, der an drei Seiten lange überdachte Wandelgänge mit unendlich vielen Gebetsmühlen beherbergt. Hier rasen die Pilger in Höchstegeschwindigkeit vorbei, in der linken Hand den Rosenkranz und mit der rechten Hand die Gebetsmühlen drehend murmeln sie ihr “Omanipatmehum” vor sich hin. Der Klang der Gebetsmühlen ist ähnlich meditiativ, manche Knarren oder Grollen oder Quietschen. Auf dem Rundweg liegen die Eingängen zu allen Tempeln der Anlage. Hier biegen dann die Pilger ab und drehen auch ihre Runden um die inneren Heiligtümer. Leider ist es nicht erlaubt im Inneren der Tempel zu fotografieren und auch zu den Zeremonien der Mönche werden die Touristen, als auch die Pilger rausgekehrt und man hört die Gesänge der Sutras nur durch die Türen.

Große Schilder in Englisch gehalten, weisen uns darauf hin, nicht zu spucken, nicht zu lärmen und nicht zu fotografieren. Nachdem wir in den letzten zwei Wochen keine einzige Langnase getroffen haben, sind wir nun wieder zurück auf den gängigen Touristenrouten, aber im Momnet ist nicht die Hauptsaison und so haben wir lediglich eine einzige Gruppe von Franzosen getroffen.

Aber es ist auch gar nicht so wichtig in den finsteren, nur durch Butterlampen beleuchteten Tempeln zu fotografieren, denn das eigentlich fasznierende Pilgerleben spielt sich davor ab. Vertieft in ihre Umrundungen und Gebete macht es Freude, die Gesichtervielfalt der Tibeter zu studieren. Läuft ein Fotomodell zu schnell vorbei, dann wartet man einfach, bis die alte Frau oder die Familie oder der Mönch eine weitere Runde um den Tempel absolviert hat und wieder im Sonnenlicht auftaucht.

Am westlichen Ende des Tempelbezirks warten die Weihrauchverkäufer, die Äste eine Nadelgehölzes, meist Wachholder, verkaufen, welches in einem großen Ofen verbrannt wird und dicke weiße Rauchschwaden in den Himmel schicken.

Dann geht es an der hinteren Klosterfront wieder zurück, hier drängen sich die Pilger dicht an dicht und auch hier gibt es noch einige kleine Tempel in denen sich alles staut, denn die Gebetsmühlen sind in dem schmalen Gang auf beiden Seiten angebracht und nun wird es doppelt so eng. Leider ist das Licht katastrophal schlecht, aber einige gute Schnappschüsse gelingen mir doch im Gedränge.

Nach einer Rund sind wir recht müde vom vielen Sehen und ziehen in ein kleines Restaurant mit Dachterrasse und gutem Blick übers ganze Kloster ein. Das Essen ist recht pasabel, der Yak auf unserem Teller erstunlich saftig und nicht zäh.

Der Nachmittag endet dann recht gemütlich mit einem Bummel in der Stadt und einem recht guten Feuertopfessen. dabei diskutieren wir, was wir mit dem gewonnenen Tag machen und einigen uns auf etwas Freiheit, so hat jerder noch einmal die Möglichkeit, das geschäftige Treiben im tempel zu genießen oder auf die umliegenden Berge zu klettern.

 

23. Tag: Montag, der 17. Oktober 2011

Montag, den 17. Oktober 2011

Über den letzten Pass

90 Kilometer von Tongren bis ins Grasland plus 30 km Transfer nach Xiahe, 1600 hm bei sonnigen -2 bis 15 Grad, zwei Pässe und wunderschönes Grasland auf einsamer Straße und 20 km Piste

Morgens zeitig ist es mehr als eisig, deshalb wähle ich am Anfang eine Route in der aufgehenden Sonne. Leider segelt die Gruppe vor mir am Abzweig auf die Hauptroute vorbei und Angela und mir bleibt nichts anderes übrig als hinterherzufahren. Fast wie erwartet gibt es keinen weiteren Weg über den Fluss, erst viel weiter unten und das kostet uns 10 Kilometer Umweg und noch 100 hm zusätzlich und damit natürlich eine gute Stunde Zeit. hoffentlich fehlt uns die nicht am Abend.

Eine gute Nudelsuppe gibt uns Kraft für die letzten großen Pässe auf der Tour und dann geht es zwei Kilometer durch schlechte Baustelle, danach haben wir eine mehr als ruhige, neu ausgebaute Straße ganz für uns alleine. Jeder Pass ist ein anderes Erlebnis. Heute geht es erst durch kleine tibetische Dörfer. Auch hier wieder jedes Haus eine kleine Festung aus Lehm, dazwischen große Schober mit zum trocknen aufgehängtem Stroh. Dann geht es durch ein recht gut bewaldetes Gebiet in einer schmalen Schlucht nach oben, nicht sonderlich spektakulär, aber sehr schön heimisch, durch die vielen Wälder. Oben öffnet sich das Tal und wir erreichen eine weite Grasebene. Nur ganz weit am Horizont Gebirgszüge mit Schneekappen, sonst nichts als herbstbraunes Grasland. Und ein tibetischer Marktflecken. Dort wird emsig Handel getrieben und es gibt wieder ein idyllisch gelegenes Kloster. Die einzelnen Tempel bleiben uns zwar verschlossen, aber vom Dach des Haupttempels hat man einen sehr schönen Ausblick.

 

Dann heißt es noch einmal kämpfen, die Straße hat sich leider wieder in eine Baustelle verwandelt und durch den Staub geht es noch einmal knappe 500 hm nach oben bis auf 3650 Meter über dem Meer und auf der anderen Seite wieder unendlich Weite. Oben flirten wir ein wenig mit den Mädels von der Baustelle. Die drei jungen Frauen haben nicht viel zu tun, aller 15 Minuten kommt ein Bagger und sie müssen nur die Drahtketten durch die Hohlblocksteine ziehen, zwei Minuten später beginnt die nächste „Pause“ von 15 Minuten. Wir teilen unsere Kekse und machen Bilder von unseren vermummten Gesichtern.

 

Leider zieht sich die Baustelle noch viel weiter, so dass es nichts aus einer zügigen Abfahrt wird und die Sonne schon recht niedrig steht, als wir den Abzweig zu den Jurtencamps erreichen. Die Aussagen der Lokals können sich nicht stärker widersprechen. Dort gibt es Übernachtungen, dort gibt es nur im Sommer Übernachtungen und dort gibt es nie Übernachtungen, es ist zum Mäuse melken! Die Polizei im Ort bestätigt leider die letzte Aussage und auch in dem kleinen Kreuzungsdorf sieht es mehr als mies aus, es gibt eine Herberge mit zwei Zimmern. In einem Zimmer sind auf 15 Quadratmetern 5 Betten um einen Kanonenofen postiert, in den zweiten Zimmer gibt es nur ein schäbiges „Doppelbett“ von 1,2 m Breite, also müssen wir weiter, aber nicht auf dem rad, denn die Sonne steht nur noch ein paar Zentimeter über dem Horizont und es wird schnell und merklich kälter. Die halbe Gruppe bleibt deshalb im Dorf und unser Fahrer Pang heizt mit der anderen Hälfte die 30 Kilometer bis Xiahe, wo eine angemessene drei Sterne Herberge schnell gefunden ist. Nach 95 Minuten sind wir alle wieder beisammen und ziehen zum Abendessen, aber das Lokal ist nicht so toll und nicht beheizt, im Gegensatz zu den überheizten Zimmern in denen wir heute schlafen dürfen. Der Transfer hat aber auch seine guten Seiten. Wir haben somit hier in Xiahe einen weiteren Ruhetag und noch einmal die Möglichkeit im größten tibetischen Kloster außerhalb der eigentlichen Provinz Tibet das Pilgerleben mitzuerleben, doch davon dann morgen.

11. Tag: Mittwoch, der 5. Oktober 2011

Mittwoch, den 5. Oktober 2011

Pass im Sonnenschein

62 Kilometer von Minle nach E’bao, 1200 hm über einen Pass mit 3685 Metern über dem Meer, gute Straße und herrliches Wetter bei Sonne und 6 bis 15 Grad

Das Wetter spielt mit und wieder scheint die Sonne, so dass wir uns gleich wieder ausziehen müssen, wir waren auf Temperaturen um den Nullpunkt am Morgen gefasst, aber in der Sonne und ohne Wind war es dann schon sehr angenehm.

Frühstück gibt es in einer kleinen Baotzestube, bevor es wieder auf den Weg den Bergen entgegen geht. Die sich über Nacht richtig nahe gerückt, denn im Gegensatz zu gestern ist die Luft glasklar. Auf den Feldern ist heute noch einmal richtig etwas los, Getreide wird geerntet und auf der Straße wird die Spreu von der Gerste getrennt. Das Korn kommt dann zum Trocknen auf den Seitenstreifen und das Gebiet der Getreidefelder geht bis direkt an die Berge.

Wieder zweihundert oder dreihundert Meter höher gekommen tauchen wir dann nach 25 Kilometern in ein Längstal ein, hier wird es plötzlich ziemlich windig, wie in einem Windkanal, trotzdem gewinnen wir zügig an Höhe und es ist nicht zu anstrengend.

Im Tal weiden überall zottelige Yaks. Die Tiere sehen durch ihr dickes Fell sehr schwerfällig aus, sind aber behänder als zum Beispiel eine deutsche Kuh. Die Yaks geben auch kein „Muh“ von sich sondern ein eigentümliches Knurren.

Seit vor 2 Jahren, als ich die Straße das letzte Mal gefahren bin, ist es belebter geworden, heute brausen dutzende von chinesischen Ausflüglern an uns vorbei. Hinten auf den Fahrzeugen kleben kleine Karten, sie haben sich von Kunming im Süden durchgewurschtelt oder waren auf anderen Strecken in Tibet unterwegs. Autotourismus scheint ein neues Hobby der Mittelklasse zu sein. Ich habe ein wenig Angst um unsere heutige Übernachtung. Da oben in unserem Zieldorf hat niemand ein Telefon, so dass die Zimmer nicht buchbar sind. Und es gibt nur sehr wenige!

Am Nachmittag wird das Tal etwas weiter und dann geht es die letzten 100 Höhenmeter hinauf bis zum Pass auf 3685 Metern Höhe. Hier gibt es kleine Steinhügel mit Gebetsfahnen, die lustig im Wind flattern. Die Aussicht in die Ebene auf der anderen Seite ist grandios. Unten liegt E’bao unser Zielort, dann kommt eine weite flache Grasebene, die von Schnee bedeckten gipfeln eingerahmt ist.

Die Abfahrt ist in der Sonne nicht so kalt wie erwartet und wir sind gegen 15.30 Uhr am Ziel und wir haben ein bisschen Glück, genau zwei der einfachen Zimmer sind noch erhältlich mit jeweils 4 Betten. Die Toilette ist über den Hof und auf dem Gang steht ein Behälter mit Wasser und ein paar Waschschüsseln, es ist also aller mehr als einfach. Aber wir waren darauf vorbereitet und packen unsere Schlafsäcke aus, um nicht Gast Nummer 32 mit der gleichen Bettdecke zu sein.

Im Ort, der vielleicht 100 Häuser hat gibt es nicht viel zu sehen. Dass es überhaupt ein Guesthouse gibt ist lediglich dem Fakt zu verdanken, dass es eine Kreuzung gibt und die LKW hier ganz gerne stoppen. An der Kreuzung gibt es drei Restaurants und fünf Läden. Das einzige vierstöckige Gebäude ist die Parteileitung. Dann gibt es noch eine Tankstelle und ein weiteres Guesthouse, welches aber schon von Außen eher ausladend aussieht.

Das Essen ist einfach, in der Nudelstube gibt es gebratenen Nudeln mit etwas Yakfleisch. Die Stücke sind aber so klein, dass man keinen Unterschied zu Rindfleisch ausmachen kann. In der Nudelstube ist es so warm, dass man es kaum aushält und der Kohleofen ballert. Weil es ein moslemischer Laden ist, gibt es kein Bier, aber ich argumentiere, dass wir Ausländer sind und in Deutschland, wo das Bier aus Gerste hergestellt wird, dieses nicht zu alkoholischen Getränken zählt, sondern eher so in Richtung Brot gerechnet wird. Die Argumentation leuchtet ein und wir dürfen uns ein paar Flaschen aus dem Laden nebenan holen und im Lokal trinken.

Danach ist es draußen so kalt, dass man nix mehr machen kann, als um 20 Uhr im bett zu verschwinden. Dass die Temperatur in der Nacht auf knapp unter Null Grad gefallen ist, sehen wir an den überfrorenen Pfützen.