14. Tag: Sonntag, der 12. August 2012

Sonntagsfahrer

116 Kilometer von Darcham ins Jurtencamp, 1100 Höhenmeter bei schönstem Wetter und unerwartet straffen Verkehr, dafür aber wieder unendlich weite Landschaften

Eigentlich sollte um 7.30 Uhr Frühstück geben, aber das Lokal ist abgesperrt, 5 Minuten später erscheint der Mann vom Empfang und schließt mürrisch und umständlich die Tür auf. Doch in der Küche ist natürlich noch niemand. Also ergreifen Mugi und ich sofort Eigeninitiative, ich hole Eier und Gemüse aus dem Kühlschrank und nach fünf Minuten brutzelt ein großes Gemüseomelett in der Wokpfanne, während Mugi Tee, Kaffe, Brot und Marmelade auftreibt. Die inzwischen eingetroffene Managerin des Hotels ist wenig begeistert. Wegen der Verständigungsprobleme bleibt ihr nichts weiter übrig als mich anzulächeln, die Debatte auf Mongolisch mit Mugi ist dann etwas straffer. In Deutschland dürfe doch sich wohl auch nicht irgendjemand in der Küche aufhalten. Dem stimmt Mugi zu, gibt allerdings zurück, dass man in Deutschland kein Lokal zu spät öffnen und die Gäste warten lassen würde. Mit dieser Pattsituation duldet dann die Chefin unser Tun und wenige Minuten später sitzen wir bei unserem selbst bereiteten leckeren Frühstück. Die langsam eintrudelnde koreanische Gruppe wird dann mit einem einfachen Rührei und einer Scheibe trockenen Toast abgespeist.

Fast pünktlich lassen wir dann Darcham hinter uns liegen und tauchen wieder in die grüne Weite ein. Nachdem die letzten Gebäude und eine Metallfabrik hinter uns verschwunden ist, gibt es nur noch die Eisenbahnlinie, unsere Straße und die unendliche Steppe. Wieder haben wir blendendes Wetter und die Sonne hat die morgendliche Kühle schnell vertrieben, so dass wir heute erstmals richtig ins Schwitzen kommen. Auch haben wir heute keine Rückenwindunterstützung, sondern leichten Gegenwind. Das stört nicht viel und macht sich erst auf die Länge des Tages bemerkbar.

Gegen Mittag nimmt der Verkehr immer stärker zu und die Fahrer der großen Geländewagen sind auch oft nicht mehr freundlich und gefährden uns ab und zu mit ihren waghalsigen Überholmanövern. Manchmal werden wir angehupt, doch es ist oft nicht mehr das freundliche Hupen der LKW Fahrer vom Vormittag, sondern aggressiv versucht man uns auf den geschotterten Seitenstreifen zu drücken. Die Ursache dafür ist der Sonntag. Morgen müssen die Leute wieder arbeiten und deshalb vom Wochenendausflug zurück in die Hauptstadt Ulaan-Baatar, die noch 180 Kilometer vor uns liegt. Außerdem boxt heute Abend ein mongolischer Boxer bei den Olympischen Spielen in London gegen einen Kubaner um die Goldmedaille und das will natürlich niemand verpassen, weshalb die Sonntagsfahrer auch ordentlich aufs gas drücken und sich nicht einmal von dem Unfall abschrecken lassen, der sich ereignet hat. Ein arg zerbeulter Jeep hat einen PKW in den Straßengraben gestoßen, noch an der Unfallstelle rangeln sich die Fahrzeuge und entgehen nur um Haaresbreite dem nächsten Unfall.

Im zweiten Teil des Tages sammeln wir reichlich Höhenmeter an den langen und sanften Anstiegen. Es geht auch bis auf 1280 Meter nach oben. Oben auf dem Pass gibt es dann ein kleines Denkmal, an dem endlich auch Airag, also vergorene Stutenmilch verkauft wird, seit einem Jahr endlich wieder ein Schluck von dem leckeren, obgleich recht saueren, Getränk, welches nicht nur den Durst löscht sondern auch noch sättigt, wegen des recht hohen Fettgehaltes. Oben dürfen wir mit einer Gruppe Mongolen reichlich Fotos machen, hier freut man sich über die bunten Touristen und alle wollen mit aufs Bild.

Dann geht es in rasche Fahrt in ein weites Tal, hier wird auch etwas Landwirtschaft betrieben, zu unserer Linken befinden sich Rapsfelder, die gerade beginnen in leuchtendem Gelb zu blühen. Die Mongolen, die hier in der Umgebung ihre Jurten aufgeschlagen haben leben von ihren Pferde-und Rinderherden. Wir biegen auf einen Feldweg ab und strampeln noch einmal drei Kilometer eine berg hinauf. Hier befindet sich inmitten einer wunderschönen Wildblumenwiese unser Jurtencamp. Im Hauptgebäude erwarten uns dann eine warme Dusche und eine reiche Mahlzeit. Zum Abschluss gibt es einen Schluck „Dschingis“ Wodka auf unseren 1000sten Kilometer den wir heute seit Irkutsk zurückgelegt haben.

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