14. Tag: Samstag, der 8. Oktober 2011

Der längste Tankha der Welt !

65 Kilometer von Datong bis zum Ta Er Si Kloster bei Xining, 500 hm bei Sonnenschein und bis 20 Grad, allerdings nur große Straße mit verkehr und viel dreckiger Luft

Xining ist eine Millionenstadt und entsprechend viel Industrie gibt es in der Umgebung. Nachdem wir die großen Kohlekraftwerke passiert haben, sind wir recht dunkel im Gesicht und das liegt nicht an der Sonne, die heute ordentlich heizt. Auch der verkehr auf der Straße ist recht straff, aber nicht gefährlich. nervig sind lediglich die Busfahrer und die Trucks, die sich laut hupend ihren Weg durchs Gedränge blasen.

Leider gibt es keine andere Strecke um die Stadt herum und wir wollen außerdem noch ins Museum für Tibetische Medizin. Der Prachtbau liegt am Stadtrand in einem großzügig gestalteten Industrieviertel und ist Touristen so gut wie unbekannt. Dabei beherbergt er neben einer Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart der tibetischen Medizin eine im Guiness Buch der Rekorde verzeichnete Attraktion. Der mit 618 Metern längste Tankha der Welt! An diesem Kunstwerk haben 400 Künstler 27 Jahre lang gearbeitet und er ist seit knapp 10 Jahren fertig gestellt und hier zu besichtigen.

Doch zuerst sehen wir uns die Exponate der tibetischen Mediziner an, die Instrumentenkoffer sind beeindruckend und abschreckend, man ist das schon beim Anblick lieber wieder gesund. Zahlreiche Tankhas dienen als Schautafeln zu Krankheiten, Krankheitsbildern und Ursachen, sowie zeigen medizinische Pflanzen und zu Heizwecken nutzbare Tiere.

Dann geht es ins obere Stockwerk, wo sich das 618 Meter lange Kunstwerk durch ein Labyrinth von Gängen gewunden entlang schlängelt. Es geht einmal quer durch die gesamte Geschichte Tibets, beginnend in der Steinzeit bis hin zum vorletzten Dalai Lama. Den gegenwärtigen in Indien beheimateten Gottkönig hat man geflissentlich ausgelassen, ebenso wie den von diesem ausgewählten Panchen Lama. Viel Raum gibt es auch für die mythischen Götter und Dämonengestalten des Landes und des tantrischen Buddhismus. Interessant sind besonders die Details des Wandgemäldes, die unheimlich detailliert gearbeitet sind. Auf der einen Seite ist es schade, dass das Kunstwerk so wenig bekannt ist, auf der anderen Seite ist man dafür aber fast völlig alleine in dem großen Gebäude. Fast zwei Stunden brauchen wir allein für den Tankha und kommen dann ordentlich hungrig wieder auf die Straße zurück.

Bei der Durchfahrt durch die Stadt findet sich dann auch ein Lokal und mit vollem Bauch geht es wieder aus der Stadt heraus. Bis zum Ta Er Si Kloster geht es leicht und stetig bergan, zum Schluss ist der Verkehr nicht mehr ganz so heftig.

Als wir gegen 17 Uhr ankommen hat natürlich das Kloster schon seine Pforten für die Touristen geschlossen, aber das war ja auch so geplant, denn die Besichtigung steht für den nächsten Tag auf dem Programm. Die Klosteranlage füllt das ganze Tal aus, was bei über 800 Mönchen, die hier ihren Dienst verrichten kein Wunder ist. Im Zentrum befinden sich die verschiedenen Tempel und Heiligtümer, der höchste Tempel ist mit einem goldenen Dach gedeckt.

Unser Hotel sieht eigentlich ziemlich heruntergekommen aus, zumindest, was die Flure und Gänge angeht, aber es gibt im linken Flügel richtig schnuckelige Zimmer im tibetischen Stil. das heißt im Zimmer befindet sich tibetisches Mobiliar, eine bunte hölzerne Sitzgruppe und die Betten auf einem Plateau sind durch ein niedriges Tischchen getrennt, sehr charmant und deshalb gehe ich hier immer gerne wieder her, zumal wohl im ganzen Ort auch nichts Besseres zu finden ist, wie wir bei unserem Spaziergang feststellen.

Die ganze Stadt lebt vom Kloster und den Pilgern. Zahlreiche Souvenirläden verklingeln teuere Buddhafiguren und tibetischen Silberschmuck, die Preise sind immense und es ist kaum vorstellbar, dass sich ein Tibeter so etwas leisten kann. Interessant ist auch, dass die meisten Läden fest in moslemischer Hand sind, ebenso wie die meisten Restaurants.

In der Nebenstraße wird buddhistisches Tempelzubehör hergestellt. man findet eine Manufaktur, die Buddhafiguren in allen Größen und Formen gießt, die halbfertigen Torso sind im Hof lieblos aufeinander geschichtet, kaum vorzustellen, dass alle Figuren in ein paar Wochen oder Monaten schon das Objekt der Anbetung eines sehr religiösen Volkes sind.

Die meisten anderen Manufakturen sind auf Tempelzubehör spezialisiert und es wird überall gehämmert und Kupferblech getrieben, daraus entstehen dann Verzierungen und Figuren, die die Tempeldächer schmücken.

Als wir um 20 Uhr ins Hotel zurückkehren ist alles duster und kalt und so ziehen wir uns dann noch mit einer Flasche Kräuterlikör aufs Zimmer zurück, der wärmt ordentlich durch und plötzlich ist eine Heizung gar nicht mehr so notwendig.

 

 

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